Botenstoffe

In der Psychologie bezeichnen wir Botenstoffe meist als Neurotransmitter, wenn sie im Gehirn Signale übertragen, oder als Hormone, wenn sie über das Blut wirken. Sie sind die chemische Grundlage für unsere Gefühle, Gedanken und unser Verhalten.

Man kann sie sich als die „Sprache“ des Nervensystems vorstellen. Hier ist eine Übersicht der psychologisch wichtigsten Botenstoffe und ihres Einflusses auf unser Erleben:

Die „Großen Drei“ (Monoamine)

Diese drei Botenstoffe stehen oft im Zentrum der klinischen Psychologie, da sie die Stimmung und den Antrieb maßgeblich steuern.

Die Regulatoren: GABA und Glutamat

Während die Monoamine die „Farbe“ unserer Stimmung bestimmen, bilden diese beiden das grundlegende „An/Aus-System“ des Gehirns.

  • Glutamat:
    Der wichtigste erregende Botenstoff. Er ist essenziell für das Lernen und das Gedächtnis. Fast 90 % aller Synapsen im Gehirn nutzen Glutamat.
  • GABA (Gamma-Aminobuttersäure):
    Der wichtigste hemmende Botenstoff. Er wirkt wie eine natürliche Bremse, beruhigt das Nervensystem und fördert den Schlaf. Viele Beruhigungsmittel (wie Benzodiazepine) verstärken die Wirkung von GABA.

Das „Kuschelhormon“: Oxytocin

Oxytocin wird im Hypothalamus gebildet und wirkt sowohl im Körper als auch als Botenstoff im Gehirn.

  • Psychologische Wirkung:
    Es fördert Vertrauen, Bindung und soziale Interaktion. Es wird bei Körperkontakt, Sex, aber auch beim Stillen ausgeschüttet. Es wirkt stark angstlösend und reduziert Stress (Cortisol).

Natürliche Schmerzmittel: Endorphine

Endorphine sind körpereigene Opioide.

  • Psychologische Wirkung:
    Sie werden bei extremen körperlichen Anstrengungen („Runner’s High“), Schmerzen oder auch beim Lachen ausgeschüttet. Sie unterdrücken Schmerzsignale und können Rauschzustände oder Euphorie auslösen.

Zusammenfassung: Das Zusammenspiel

In der Psychologie betrachten wir selten einen Stoff isoliert. Das Befinden resultiert aus dem Mischverhältnis:

Psychischer Zustand Dominanter Botenstoff
Glück/Zufriedenheit Hohes Serotonin & Endorphine
Stress/Angst Hohes Noradrenalin & Cortisol
Verliebtsein Hohes Dopamin, Oxytocin & Phenylethylamin
Lernfokus Ausgewogenes Dopamin & Glutamat

Klinischer Ausblick

Viele psychische Erkrankungen werden heute mit einem Ungleichgewicht dieser Stoffe in Zusammenhang gebracht. Die medikamentöse Therapie (z. B. Antidepressiva) zielt darauf ab, die Konzentration dieser Botenstoffe im synaptischen Spalt zu normalisieren, um dem Patienten die psychotherapeutische Arbeit zu erleichtern.