Chunking
In der kognitiven Psychologie beschreibt Chunking (Bündelung) die Organisation von einzelnen Informationen zu größeren, bedeutungsvollen Einheiten (den sogenannten „Chunks“). Diese Methode dient dazu, die Kapazitätsgrenzen des menschlichen Arbeitsgedächtnisses effizient zu nutzen oder zu umgehen.
Theoretische Grundlage: Die Millersche Zahl
Die Grundlage für dieses Konzept legte der Psychologe George A. Miller im Jahr 1956. Er stellte fest, dass das menschliche Kurzzeitgedächtnis in der Lage ist, etwa 7 ± 2 Informationseinheiten gleichzeitig zu verarbeiten.
Durch Chunking wird diese begrenzte Anzahl an „Slots“ nicht erhöht, aber die Informationsdichte pro Slot vervielfacht. Ein Chunk wird vom Gehirn als eine einzige Einheit wahrgenommen, unabhängig davon, wie viele Unterinformationen er enthält.
Der Prozess der Schema-Bildung
Psychologisch gesehen ist Chunking eng mit der Aktivierung von Langzeitgedächtnis-Strukturen (Schemata) verknüpft. Damit Fragmente zu einem Chunk verschmelzen können, muss eine logische oder bekannte Verknüpfung bestehen:
- Beispiel:
Eine wirre Buchstabenfolge wie P-S-Y-C-H-O-L-O-G-I-E beansprucht elf Einheiten, wenn die Sprache unbekannt ist. Für einen Deutschsprachigen verschmilzt diese Folge zu einem einzigen Chunk: dem Wort „Psychologie“. - Expertentum:
Experten in einem Fachgebiet zeichnen sich dadurch aus, dass sie komplexeste Szenarien in sehr große Chunks fassen können. Ein Schachgroßmeister sieht keine einzelnen Figuren, sondern komplexe Stellungsmuster (Chunks).
Relevanz für die Kognitive Belastung (Cognitive Load)
Die Cognitive Load Theory (CLT) verdeutlicht, warum Chunking für Lernprozesse und unter Stress (wie bei Prüfungsangst) essenziell ist. Man unterscheidet hierbei verschiedene Belastungsarten des Arbeitsgedächtnisses:
- Intrinsische Belastung:
Der Schwierigkeitsgrad des Lernstoffs an sich. - Extrinsische Belastung:
Unnötige Ablenkungen oder schlechte Aufbereitung. - Lernrelevante Belastung (Germane Load):
Die mentale Energie, die für den Aufbau von Chunks und Schemata aufgewendet wird.
Anwendung zur Reduktion von Prüfungsangst
Unter Stress wird die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses durch kreisende Angstgedanken („Worrying“) zusätzlich eingeschränkt. Chunking wirkt hier als Schutzmechanismus:
- Automatisierung:
Gut gechunkte Informationen erfordern weniger bewusste Aufmerksamkeit. Dies verhindert den kognitiven „Overload“, der oft zu Blackouts führt. - Strukturierung:
Durch das Zusammenfassen von Stoffgebieten zu wenigen Oberbegriffen reduziert sich das Gefühl der Überwältigung. Das Gehirn registriert nur noch wenige handhabbare Einheiten statt einer unüberschaubaren Menge an Details.