Detached Mindfulness
Die Detached Mindfulness (DM), zu Deutsch „Losgelöste Achtsamkeit“, ist die Technik der Metakognitiven Therapie nach Adrian Wells. Sie unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Achtsamkeit (Mindfulness) oder Meditation.
Das Konzept: Beobachten ohne Interagieren
Detached Mindfulness bedeutet, einen Gedanken oder ein Gefühl als ein rein inneres Ereignis wahrzunehmen, ohne darauf zu reagieren. Man nimmt eine Beobachterrolle ein, vergleichbar mit einer Person, die am Straßenrand steht und Autos (Gedanken) vorbeifahren sieht, ohne in eines einzusteigen.
Die zwei Kernkomponenten sind:
- Mindfulness (Achtsamkeit):
Man registriert, dass ein Gedanke vorhanden ist. - Detachment (Loslösung):
Man verzichtet auf jede Form der mentalen Bearbeitung (kein Analysieren, kein Unterdrücken, kein Bewerten).
Der entscheidende Unterschied
In der klassischen KVT würde man den Gedanken „Ich bin ein Versager“ prüfen und umstrukturieren. In der DM macht man das Gegenteil:
- Keine Analyse:
Man fragt nicht, ob der Gedanke wahr ist. - Kein Widerstand:
Man versucht nicht, den Gedanken zu stoppen (Gedankenunterdrückung führt oft zum Boomerang-Effekt). - Keine Handlung:
Man lässt den Gedanken einfach in seinem „mentalen Raum“ stehen, bis er von selbst wieder verschwindet.
Metaphern zur Veranschaulichung
Da DM schwer theoretisch zu greifen ist, arbeitet man in der Therapie oft mit Bildern:
- Der vorbeiziehende Zug:
Dein Gedanke ist ein Zug, der in den Bahnhof einfährt. Du stehst am Bahnsteig. DM bedeutet, den Zug zu sehen, aber nicht einzusteigen und sich mitreißen zu lassen. - Der „unbeantwortete Anruf“:
Ein negativer Gedanke ist wie ein klingelndes Telefon. DM bedeutet zu hören, dass es klingelt, aber den Hörer nicht abzunehmen. Du lässt es einfach klingeln. - Der Tiger im Käfig:
Ein beängstigender Gedanke ist wie ein Tiger. Wenn du ihn bekämpfst (Grübeln), fütterst du ihn. Wenn du ihn nur beobachtest, bleibt er im Käfig und verliert irgendwann seinen Schrecken.
Ziel: Trennung von Selbst und Gedanke
Das Ziel ist die Erkenntnis, dass Gedanken nur Ereignisse im Geist sind und keine Fakten oder Befehle. Man lernt, dass man nicht identisch mit seinen Gedanken ist („Ich habe den Gedanken, dass ich versage“ statt „Ich bin ein Versager“). Dies bricht die Macht des Kognitiven Aufmerksamkeitssyndroms (CAS).
Zusammenfassend bezeichnet Detached Mindfulness (DM) eine Technik der losgelösten Beobachtung, bei der man Gedanken als rein mentale Ereignisse wahrnimmt und bewusst auf jede Reaktion (wie Grübeln oder Unterdrücken) verzichtet, bis sie von selbst wieder verschwinden.