Egoismus

In der Psychologie wird Egoismus als ein vielschichtiges Phänomen, das verschiedene Motivationen und Ausprägungen haben kann betrachtet. Grundsätzlich geht es um das Streben nach dem eigenen Vorteil, oft auf Kosten anderer oder ohne deren Berücksichtigung.

Formen des Egoismus

Man unterscheidet in der Fachwelt meist zwischen drei Hauptaspekten:

  • Psychologischer Egoismus:
    Die (umstrittene) These, dass der Mensch von Natur aus immer so handelt, dass es seinem eigenen Wohl dient – selbst bei scheinbar uneigennützigen Taten (Altruismus), weil man sich danach z. B. besser fühlt.
  • Ethischer Egoismus:
    Die philosophisch-psychologische Haltung, dass man nach seinen eigenen Interessen handeln sollte, um ein erfülltes Leben zu führen.
  • Rationaler Egoismus:
    Die Ansicht, dass es vernünftig und logisch ist, den eigenen Nutzen zu maximieren.

Abgrenzung: Egoismus vs. Selbstliebe vs. Narzissmus

Es ist wichtig, diese Begriffe sauber zu trennen, da sie im Alltag oft vermischt werden:

Begriff Fokus Merkmal
Egoismus Vorteilnahme „Ich zuerst, egal was mit dir ist.“
Selbstliebe Selbstfürsorge „Ich achte auf mich, damit es mir gut geht (gesund).“
Narzissmus Bewunderung „Ich brauche deine Bestätigung, um mich wertvoll zu fühlen.“

Der „Dunkle Faktor“ der Persönlichkeit (D-Faktor)

In der modernen Persönlichkeitspsychologie wird Egoismus oft als Teil des sogenannten D-Faktors (Dark Factor of Personality) gesehen. Dieser beschreibt den Kern aller „dunklen“ Eigenschaften (wie Machiavellismus oder Psychopathie).

  • Kern des Egoismus:
    Die Tendenz, den eigenen Nutzen zulasten anderer zu maximieren, untermauert von Überzeugungen, die dieses Verhalten rechtfertigen (z. B. „Jeder ist sich selbst der Nächste“).

Warum handeln Menschen egoistisch?

Die Psychologie sieht verschiedene Ursachen:

  1. Evolution:
    Ein gewisses Maß an Eigennutz war überlebenswichtig, um Ressourcen zu sichern.
  2. Lernerfahrung:
    Wenn ein Kind lernt, dass es nur durch rücksichtsloses Verhalten bekommt, was es will, verfestigt sich dieses Muster.
  3. Angst und Mangel:
    Menschen, die sich in einer (gefühlten oder realen) Mangelsituation befinden, neigen eher zu egoistischem Verhalten, um sich abzusichern.

Das Gegenteil: Altruismus

Das Gegenstück zum Egoismus ist der Altruismus – uneigennütziges Handeln zum Wohle anderer. In der Forschung wird oft diskutiert, ob es „reinen“ Altruismus gibt oder ob wir anderen helfen, weil es unser eigenes Belohnungssystem im Gehirn aktiviert.