Hormone
In der Psychologie werden Hormone untersucht, um zu verstehen, wie chemische Signale im Blutkreislauf unser Verhalten, unsere Emotionen und unsere Persönlichkeit formen.
Während Neurotransmitter (wie Serotonin oder Dopamin) Millisekunden brauchen, um im Gehirn zu wirken, fließen Hormone durch den gesamten Körper und wirken langsamer, aber oft nachhaltiger und tiefgreifender auf unser psychisches Erleben.
Die Stress-Achse (HPA-Achse)
Dies ist das wichtigste System für die Psychologie, da es bestimmt, wie wir auf Belastung reagieren.
- Cortisol:
Bekannt als das „Stresshormon“. Es mobilisiert Energiereserven. Chronisch hohe Spiegel (durch Dauerstress) führen psychologisch zu Erschöpfung, Gedächtnisproblemen (da es den Hippocampus schädigt) und depressiven Verstimmungen. - Adrenalin & Noradrenalin:
Werden im Nebennierenmark ausgeschüttet. Sie sorgen für den sofortigen Fokus und die körperliche Erregung bei Angst oder Wut.
Bindung und Sozialverhalten
Hormone bestimmen maßgeblich, wie wir uns in Beziehungen fühlen.
- Oxytocin:
Das „Bindungshormon“. Es wird bei Berührung, Sex und Stillen ausgeschüttet. In der Psychologie wird es mit Vertrauen, Empathie und der Reduktion von sozialen Ängsten in Verbindung gebracht. - Vasopressin:
Ähnlich wie Oxytocin, spielt es eine Rolle bei der Paarbindung und wird zudem mit Schutzverhalten und Aggression assoziiert.
Sexualhormone und Psyche
Diese Hormone beeinflussen nicht nur die Fortpflanzung, sondern auch das Selbstbewusstsein und die Stimmung.
- Testosteron:
Es beeinflusst psychologische Faktoren wie Dominanzstreben, Risikobereitschaft und Libido. Ein extrem niedriger Spiegel kann zu Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen führen. - Östrogen & Progesteron:
Diese Hormone beeinflussen die Serotonin-Produktion. Schwankungen im Zyklus (z. B. PMS) oder in den Wechseljahren können daher direkte Auswirkungen auf die psychische Stabilität und die Reizbarkeit haben.
Stoffwechsel und Stimmung
- Insulin:
Ein instabiler Insulinspiegel führt zu Blutzuckerschwankungen, die sich psychisch als Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche oder „Brain Fog“ äußern können. - Schilddrüsenhormone (T3/T4):
Eine Überfunktion führt oft zu Symptomen einer Angststörung (innere Unruhe, Herzrasen), während eine Unterfunktion oft fälschlicherweise als Depression (Lethargie, Traurigkeit) diagnostiziert wird.
Psychologische Relevanz: Ein Überblick
| Hormon | Psychologischer Fokus | Bei Ungleichgewicht |
| Cortisol | Belastbarkeit | Burnout, Angstzustände |
| Oxytocin | Vertrauen & Liebe | Soziale Isolation, Bindungsangst |
| Testosteron | Selbstbewusstsein | Aggression oder Depression |
| Thyroxin | Energielevel | Panik (hoch) oder Apathie (niedrig) |
Warum das wichtig ist
In der Psychotherapie ist es oft wichtig, auch die hormonelle Lage zu klären. Wenn jemand unter depressiven Symptomen leidet, könnte die Ursache ein echter Serotoninmangel sein – oder eine Fehlfunktion der Schilddrüse.