Hypoarousal

Während das Hyperarousal (Übererregung) eine „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion ist, beschreibt das Hypoarousal (Untererregung) das entgegengesetzte Ende des Erregungsspektrums. Es ist eine Art biologischer Notbremse des Nervensystems.

Was passiert beim Hypoarousal?

Das Nervensystem schaltet in den Abschalt-Modus (Shutdown). Dies geschieht meist dann, wenn eine Bedrohung als so überwältigend erlebt wird, dass weder Flucht noch Kampf möglich scheinen.

  • Körperlich:
    Puls und Blutdruck sinken, die Muskelspannung lässt nach (Erschlaffung), die Atmung wird flach.
  • Mental:
    Das Bewusstsein trübt ein. Man fühlt sich wie „in Watte gepackt“, leer oder wie gelähmt.
  • Emotional:
    Gefühllosigkeit (Numbing). Schmerz – sowohl physisch als auch psychisch – wird kaum noch wahrgenommen.

Typische Symptome und Zustände

Hypoarousal äußert sich oft durch Symptome der Psychotraumatologie:

  • Dissoziation:
    Das Gefühl, nicht richtig im eigenen Körper zu sein oder dass die Umwelt unreal wirkt (Derealisation).
  • Einfrieren (Freeze):
    Eine Erstarrung, bei der man unfähig ist, sich zu bewegen oder zu sprechen.
  • Depersonalisierung:
    Man beobachtet sich selbst wie einen Fremden von außen.
  • Chronische Müdigkeit/Apathie:
    In diesem Zustand fehlt jeglicher Antrieb; alles wirkt schwer und bedeutungslos.

Bezug zu klinischen Störungsbildern

Hypoarousal ist oft ein Schutzmechanismus, der chronisch geworden ist:

Therapie und Intervention

Da das System im Hypoarousal „eingefroren“ ist, hilft klassisches Reden in diesem Moment oft wenig. Die Therapie setzt auf körperorientierte Ansätze:

  • Aktivierung:
    Statt Beruhigung (wie beim Hyperarousal) braucht es hier Reize, die das System sanft zurück in das „Toleranzfenster“ holen.
  • Sensorische Reize:
    Starke Gerüche, Bewegung (Auf- und Abgehen), das Benennen von Gegenständen im Raum (Grounding) oder sanftes Abklopfen des Körpers.
  • Sicherheit herstellen:
    Das Gehirn muss das Signal erhalten, dass die aktuelle Situation sicher ist, damit die „Notbremse“ gelöst werden kann.