Ich-Dystonie

In der Psychologie und Psychiatrie beschreibt der Begriff Ich-Dystonie einen Zustand, in dem eine Person ihre eigenen Gedanken, Impulse oder Verhaltensweisen als fremd, störend oder nicht zu ihrer Persönlichkeit gehörig empfindet.

Das Individuum erlebt diese Anteile als Belastung und steht im inneren Konflikt mit ihnen. Das Gegenteil davon ist die Ich-Syntonie.

Merkmale der Ich-Dystonie

Wenn ein Symptom ich-dyston ist, löst es Leidensdruck aus. Die betroffene Person denkt: „Das bin nicht ich“ oder „Ich will das nicht denken/tun, aber es passiert trotzdem.“

Beispiele aus der Praxis

Störungsbild Erleben (Ich-dyston)
Zwangsstörung Jemand hat den Drang, 50-mal die Hände zu waschen. Er weiß, dass es unsinnig ist und hasst es, tut es aber gegen seinen Willen.
Angststörungen Die Person erkennt, dass die Angst vor einer Spinne unbegründet ist, kann die Reaktion aber nicht abstellen.
Ich-dystone Sexualorientierung Jemand empfindet eine sexuelle Neigung, die im krassen Widerspruch zu seinen moralischen Werten steht (früher oft im Kontext von Homosexualität in repressiven Gesellschaften diagnostiziert).

Abgrenzung: Ich-Dystonie vs. Ich-Syntonie

Diese Unterscheidung ist für die Therapie entscheidend:

Bedeutung für die Therapie

Die Ich-Dystonie ist paradoxerweise oft ein gutes Zeichen für den Therapieerfolg:

  1. Krankheitseinsicht:
    Da die Person das Problem als „fremd“ erkennt, ist die Realitätsprüfung intakt.
  2. Mitarbeit (Adhärenz):
    Der Patient kämpft zusammen mit dem Therapeuten gegen das Symptom.
  3. Bündnis:
    Es fällt leichter, eine therapeutische Allianz aufzubauen, da das Ziel klar definiert ist: Das störende Element soll weg.

Zusammenfassung

Ich-Dystonie ist das Erleben psychischer Phänomene als dem eigenen Selbst fremd und unvereinbar, was zu einem hohen Leidensdruck und dem bewussten Wunsch nach Veränderung führt.