In sensu

In der Psychologie – speziell in der Verhaltenstherapie – bezeichnet „in sensu“ (lateinisch für „in der Vorstellung“) ein Verfahren, bei dem eine therapeutische Intervention rein mental durchgeführt wird.

Im Gegensatz zu „in vivo“-Übungen (in der Realität/am lebendigen Objekt) konfrontiert sich der Klient hierbei in seiner Fantasie mit angstauslösenden Reizen oder problematischen Situationen.

Anwendung in der Konfrontationstherapie

Die bekannteste Anwendung findet „in sensu“ bei der Behandlung von Phobien, PTBS oder Zwangsstörungen statt.

Vor- und Nachteile gegenüber „in vivo

Merkmal In sensu (Vorstellung) In vivo (Realität)
Sicherheit Hoch; findet in einem geschützten Rahmen statt. Realer Stress; weniger Kontrolle über die Umgebung.
Durchführbarkeit Einfach; auch bei unrealistischen Ängsten (z.B. Flugzeugabsturz). Logistisch oft aufwendig oder teuer.
Wirksamkeit Gut als Vorbereitung oder bei sehr hoher Hemmschwelle. Gilt oft als der „Goldstandard“ für dauerhafte Heilung.
Transfer Der Übertrag in den Alltag muss zusätzlich geübt werden. Der Lerneffekt tritt direkt in der Realität ein.

Weitere Einsatzgebiete

Abseits der Angstbewältigung wird die Arbeit „in sensu“ auch in anderen Bereichen genutzt:

  1. Gedankenstopp:
    Eine Technik zur Unterbrechung von Grübelzwängen in der Vorstellung.
  2. Covert Sensitization:
    Ein Verfahren, bei dem unerwünschte Verhaltensweisen (z. B. Sucht) gedanklich mit negativen Konsequenzen verknüpft werden.
  3. Imagery Rescripting:
    In der Traumatherapie werden belastende Erinnerungen mental aufgesucht und im Nachhinein durch Imagination verändert („umgeschrieben“), um die emotionale Last zu lindern.

Warum funktioniert das?

Unser Gehirn aktiviert bei lebhafter Vorstellung oft dieselben neuronalen Netzwerke wie bei einer tatsächlichen Erfahrung. Dadurch können emotionale Reaktionen auch ohne physische Präsenz des Auslösers bearbeitet und „umprogrammiert“ werden.