Konformität
In der Sozialpsychologie beschreibt Konformität (auch sozialer Einfluss genannt) die Änderung des eigenen Verhaltens, der Meinungen oder Einstellungen einer Person aufgrund des realen oder eingebildeten Drucks durch eine Gruppe.
Es geht um das Bedürfnis, mit den Normen einer sozialen Gruppe übereinzustimmen – oft auch dann, wenn man eigentlich anderer Meinung ist.
Die zwei Hauptmotive für Konformität
Warum passen wir uns an? Die Forschung unterscheidet zwei grundlegende psychologische Prozesse:
- Informationsbezogener sozialer Einfluss:
Wir passen uns an, weil wir glauben, dass die anderen die Situation richtiger interpretieren als wir selbst. Dies geschieht oft in mehrdeutigen oder krisenhaften Situationen (man orientiert sich an der Masse, um „das Richtige“ zu tun). - Normativer sozialer Einfluss:
Wir passen uns an, weil wir gemocht und akzeptiert werden wollen. Wir möchten Bestrafung oder soziale Ausgrenzung vermeiden. Hierbei kann es zu einer öffentlichen Compliance kommen, während man innerlich (privat) seine ursprüngliche Meinung beibehält.
Das Asch-Experiment zur Konformität
Eines der berühmtesten Experimente zur Konformität stammt von Solomon Asch (1951).
- Der Versuchsaufbau:
Ein Proband sitzt in einer Gruppe von eingeweihten Helfern. Sie sollen die Länge von Linien vergleichen. - Das Ergebnis:
Wenn alle Helfer einstimmig eine offensichtlich falsche Antwort geben, schließen sich etwa 75% der Probanden mindestens einmal der falschen Gruppenmeinung an. - Die Erkenntnis:
Der Wunsch, nicht „aus der Reihe zu tanzen“ (normativer Einfluss), ist oft stärker als die eigene Wahrnehmung der Realität.
Faktoren, die Konformität beeinflussen
Nicht jede Gruppe erzeugt den gleichen Druck. Die Stärke der Konformität hängt ab von:
- Gruppengröße:
Der Effekt steigt bis zu einer Gruppengröße von etwa 3–5 Personen stark an und stagniert dann. - Einstimmigkeit:
Sobald nur eine weitere Person in der Gruppe widerspricht, sinkt die Konformität des Probanden drastisch (der sogenannte „soziale Rückhalt“). - Status der Gruppe:
Je attraktiver oder kompetenter die Gruppe wahrgenommen wird, desto eher passen wir uns an. - Kultur:
In kollektivistischen Kulturen ist Konformität oft höher bewertet als in individualistischen Kulturen.
Zusammenfassung: Konformität ist der psychische Prozess, bei dem das Individuum sein Verhalten oder seine Meinung an die Erwartungen einer sozialen Gruppe anpasst, um Akzeptanz zu finden oder Unsicherheit durch Orientierung an der Mehrheit zu reduzieren.
Gleichzeitig gibt es aber auch zu denken, dass der Konformitätsdruch offenbar Menschen aus Angst vor Ausgrenzung bzw. fehlender sozialer Anerkennung dazu bewegt, ihre persönliche Integrität aufzugeben.