Kongruenz
In der humanistischen Psychologie und in der Psychotherapie ist die Kongruenz (Echtheit) eine der drei notwendigen Grundhaltungen für persönliches Wachstum und erfolgreiche Therapie.
Vereinfacht gesagt beschreibt Kongruenz die Übereinstimmung zwischen dem inneren Erleben und dem äußeren Handeln.
Die zwei Ebenen der Kongruenz
Um das Konzept zu verstehen, muss man zwei Bereiche betrachten, die im Idealfall deckungsgleich sein sollten:
- Selbstbild (Ideal-Selbst vs. Real-Selbst):
Die Übereinstimmung zwischen dem, wie ich gerne wäre, und dem, wie ich mich aktuell wahrnehme. - Echtheit in der Kommunikation:
Die Übereinstimmung zwischen dem, was ich fühle (Inhalt), und dem, was ich nach außen zeige (Ausdruck).
Der Zustand der Inkongruenz
Wenn eine große Lücke zwischen dem Erleben und dem Selbstbild klafft, spricht man von Inkongruenz. Das führt oft zu:
- Inneren Spannungen und Angst.
- Verteidigungsmechanismen (Verleugnung oder Verzerrung der Realität).
- Einem Gefühl von „Falschheit“ oder Entfremdung von sich selbst.
Kongruenz in der therapeutischen Beziehung
Für Carl Rogers ist der Therapeut dann kongruent, wenn er sich nicht hinter einer professionellen Fassade versteckt. Er ist in der Begegnung mit dem Klienten er selbst.
- Keine Maske:
Der Therapeut spiegelt nur Gefühle wider, die er auch tatsächlich empfindet. - Transparenz:
Wenn der Therapeut etwa Verwirrung spürt, kann er diese (wenn es dem Prozess dient) offenlegen, statt sie zu unterdrücken. - Vorbildfunktion:
Durch seine Echtheit ermutigt der Therapeut den Klienten, ebenfalls seine Masken fallen zu lassen.
Warum ist das schwierig?
Echte Kongruenz erfordert ein hohes Maß an Selbstwahrnehmung. Man muss in jedem Moment wissen: „Was fühle ich gerade wirklich?“ Oft stehen uns gesellschaftliche Erwartungen oder die Angst vor Ablehnung im Weg, was dazu führt, dass wir eine Rolle spielen, statt kongruent zu sein.
Zusammenfassend: Kongruenz bedeutet, dass „ich sage, was ich denke, und fühle, was ich sage“.