Kontakthypothese
In der Sozialpsychologie ist die Kontakthypothese (nach Gordon Allport, 1954) eine der am besten untersuchten Theorien zum Abbau von Vorurteilen, Stereotypen und Xenophobie.
Die Kernaussage lautet: Kontakt zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Gruppen reduziert unter bestimmten Bedingungen Feindseligkeiten und fördert das gegenseitige Verständnis.
Die 4 Bedingungen für erfolgreichen Kontakt
Damit der Kontakt diese Ziele erreicht (und Vorurteile nicht sogar verstärkt), müssen laut Allport vier Bedingungen erfüllt sein:
- Gleichrangigkeit (Equal Status):
Die Mitglieder beider Gruppen müssen sich im Kontext der Interaktion auf Augenhöhe begegnen. Wenn eine Gruppe die dienende Rolle einnimmt, werden Hierarchien und Vorurteile nur bestätigt. - Gemeinsame Ziele (Common Goals):
Beide Seiten müssen auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten (z. B. ein Team in einem Sportverein oder ein gemeinsames Projekt). - Interpersonelle Kooperation:
Erfolg darf nicht durch Wettbewerb entstehen, sondern nur durch Zusammenarbeit. Man muss aufeinander angewiesen sein. - Unterstützung durch Autoritäten/Normen:
Der Kontakt muss von „oben“ (Gesetze, Regeln, Vorgesetzte) und durch das soziale Umfeld ausdrücklich erwünscht und gefördert werden.
Wie wirkt Kontakt psychologisch?
Der Abbau von Vorurteilen geschieht über drei Kanäle:
- Kognitiv:
Man erhält neue Informationen, die das Stereotyp widerlegen (eine Form der Realitätsprüfung). - Affektiv (Gefühle):
Die Angst vor dem Unbekannten (Xenophobie) sinkt, und die Empathie für die andere Gruppe steigt. - Verhaltensbezogen:
Man lernt neue Interaktionsmuster, die das Gefühl von Selbstwirksamkeit in fremden Kontexten stärken.
Pettigrews Erweiterung
Thomas Pettigrew fügte später eine fünfte Bedingung hinzu: Das Potenzial für Freundschaft. Er stellte fest, dass flüchtiger Kontakt kaum hilft, aber tiefere, emotionale Bindungen die stärkste Kraft gegen Xenophobie sind.