Lebenszufriedenheit

In der Psychologie wird Lebenszufriedenheit als die kognitive Bewertung des eigenen Lebens definiert. Während das „Glück“ oft als flüchtiger, emotionaler Zustand verstanden wird, ist die Lebenszufriedenheit eine stabile, reflektierte Bilanz: Wie nah ist mein tatsächliches Leben an meinem Wunschleben?

Sie ist ein zentraler Indikator für psychische Gesundheit und wird maßgeblich durch die Erfüllung psychologischer Bedürfnisse beeinflusst.

Das Drei-Säulen-Modell des Wohlbefindens

Die Forschung unterscheidet oft zwischen zwei Arten des Wohlbefindens (hedonistisch und eudaimonisch), die zusammen die Lebenszufriedenheit bilden:

  1. Hedonisches Wohlbefinden:
    Das Streben nach maximalem Vergnügen und minimalem Schmerz. Es ist kurzfristig und auf Lustgewinn ausgerichtet.
  2. Eudaimonisches Wohlbefinden:
    Das Streben nach Sinn, Selbstverwirklichung und persönlichem Wachstum. Es basiert auf dem Gefühl, dass das eigene Handeln bedeutsam ist.
  3. Subjektives Wohlbefinden (SWB):
    Die Kombination aus hoher positiver Affektivität, niedriger negativer Affektivität und der kognitiven Lebenszufriedenheit.

Was beeinflusst die Lebenszufriedenheit?

Entgegen weit verbreiteter Mythen (wie Reichtum oder Erfolg) zeigt die psychologische Forschung (z. B. durch Sonja Lyubomirsky), dass unsere Zufriedenheit aus drei Quellen gespeist wird:

  • Genetischer Set-Point (ca. 50%):
    Eine gewisse biologische Grundtendenz zur Zufriedenheit.
  • Lebensumstände (ca. 10%):
    Einkommen, Wohnort, Familienstand. Überraschenderweise machen diese nur einen kleinen Teil aus (Adaptationsprinzip: Wir gewöhnen uns schnell an ein neues Auto oder Haus).
  • Bewusste Aktivitäten (ca. 40%):
    Hier liegt der größte Hebel der Psychohygiene. Unser Denken, Handeln und die Gestaltung unserer Beziehungen.

Die Rolle der Konsistenz (Grawe)

Hohe Lebenszufriedenheit korreliert direkt mit der Konsistenz. Wenn die täglichen Erfahrungen die Grundbedürfnisse (Bindung, Orientierung, Selbstwert, Lustgewinn) befriedigen, erlebt man Stimmigkeit.

Das Paradoxon: Die hedonistische Tretmühle

Ein großes Hindernis für dauerhafte Lebenszufriedenheit ist die Habituation (Gewöhnung). Wir streben nach Zielen, erreichen sie, fühlen einen kurzen Kick und kehren dann zu unserem ursprünglichen Zufriedenheitsniveau zurück.

Psychologische Strategien wie Dankbarkeitstraining oder Achtsamkeit zielen darauf ab, diesen Gewöhnungseffekt zu durchbrechen und den Fokus auf das Hier und Jetzt zu lenken.

Messung: Die „Satisfaction with Life Scale“ (SWLS)

In der Wissenschaft wird oft die SWLS von Ed Diener genutzt. Sie misst die Übereinstimmung mit Aussagen wie:

  • „In den meisten Punkten entspricht mein Leben meinen Idealvorstellungen.“
  • „Bisher habe ich die wichtigen Dinge erreicht, die ich mir im Leben wünsche.“

Zusammenfassung

Lebenszufriedenheit ist die bewusste, langfristige Bewertung des eigenen Lebens als stimmig und sinnvoll, die weniger von äußeren Umständen als von der inneren Kongruenz und der Qualität sozialer Beziehungen abhängt.