Maladaption
In der Psychologie bezeichnet Maladaption (oder maladaptives Verhalten) Anpassungsprozesse, die zwar kurzfristig eine emotionale Entlastung bieten oder einen Konflikt lösen, langfristig jedoch die psychische Gesundheit schädigen und die Lösung des eigentlichen Problems verhindern.
Der Begriff leitet sich vom lateinischen adaptare (anpassen) und der Vorsilbe mal (schlecht/falsch) ab – es handelt sich also um eine „Fehlanpassung“.
Das Paradoxon: Warum wir uns „falsch“ anpassen
Das Wichtigste zum Verständnis: Maladaptives Verhalten ist oft eine ehemals sinnvolle Überlebensstrategie.
- In der Kindheit (Adaptiv):
Ein Kind, das in einem sehr kritischen Elternhaus aufwächst, entwickelt vielleicht überhöhte Standards und Perfektionismus, um Anerkennung zu erhalten und Schimpfen zu vermeiden. Damals war das Verhalten adaptiv (hilfreich), um im System zu überleben. - Im Erwachsenenalter (Maladaptiv):
Dieselbe Person leidet nun unter chronischem Stress und Burnout, weil sie den Perfektionismus nicht ablegen kann. Die Strategie passt nicht mehr zur aktuellen Lebensrealität – sie ist maladaptiv geworden.
Typische Merkmale von Maladaption
Maladaption zeichnet sich durch drei Faktoren aus:
- Vermeidung von Schmerz:
Das Verhalten dient dazu, unangenehme Gefühle (Angst, Scham, Trauer) sofort zu lindern. - Fehlende Nachhaltigkeit:
Die Erleichterung hält nur kurz an. Das ursprüngliche Problem bleibt bestehen oder verschlimmert sich. - Starrheit:
Der Betroffene wendet das Muster immer wieder an, auch wenn die negativen Konsequenzen überwiegen.
Beispiele für maladaptive Muster
Maladaption kann sich in Gedanken, Gefühlen und Handlungen zeigen:
- Vermeidungsverhalten:
Eine Person mit sozialer Angst meidet Partys. Kurzfristig sinkt die Angst (Belohnung), langfristig wird die Angst vor Menschen immer größer. - Substanzkonsum:
Alkohol oder Medikamente werden zur Selbstmedikation bei Stress eingesetzt. - Aggression:
Sofortiger verbaler Angriff bei kleinster Kritik, um die eigene Verletzlichkeit zu schützen. - Abtrennung (Dissotiation):
Das „Abschalten“ von Gefühlen in belastenden Situationen, was echte emotionale Verarbeitung unmöglich macht.
Maladaption in der Therapie
In der Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie oder Schematherapie) ist das Ziel die Readaption (gesunde Anpassung). Dieser Prozess verläuft meist in drei Schritten:
- Validierung:
Verstehen, dass das Verhalten früher einen Schutzcharakter hatte (die „gute Absicht“ hinter dem Muster erkennen). - Kosten-Nutzen-Analyse:
Erkennen, dass der Preis für diesen Schutz (z. B. Einsamkeit, Erschöpfung) heute zu hoch ist. - Verhaltensexperimente:
Schrittweise neue, funktionale Strategien testen. Zum Beispiel: Einmal nicht perfekt sein und erleben, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt.