Metakognition
In der Psychologie bedeutet Metakognition im Kern das „Nachdenken über das Denken“. Es beschreibt die Fähigkeit, die eigenen kognitiven Prozesse (wie Gedächtnis, Lernen, Problemlösen oder Emotionen) nicht nur auszuführen, sondern sie aktiv zu überwachen, zu steuern und zu bewerten.
Die zwei Säulen der Metakognition
Man unterteilt das Konzept meist in zwei Bereiche:
- Metakognitives Wissen (Deklarativ):
Das Wissen über das eigene Denken.- Beispiel: „Ich weiß, dass ich mir Namen besser merken kann, wenn ich sie aufschreibe.“
- Metakognitive Überwachung & Regulierung (Prozedural):
Die aktive Steuerung während eines Prozesses.- Beispiel: Während des Lesens merken, dass man abgeschweift ist, und den Absatz noch einmal lesen.
Metakognitionen und psychische Störungen
In der klinischen Psychologie (besonders in der Metakognitiven Therapie (MCT) nach Adrian Wells) spielen Metakognitionen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen. Hierbei wird davon ausgegangen, dass nicht die Inhalte der Gedanken (z. B. „Ich könnte versagen“) das Problem sind, sondern die Art und Weise, wie die betroffene Person über diese Gedanken denkt und mit ihnen umgeht.
Das zentrale Konzept ist hier das sogenannte Kognitiv-Attentionale Syndrom (CAS).
Das Kognitiv-Attentionale Syndrom (CAS)
Das CAS (engl.: Cognitive Attentional Syndrome) ist ein Denkstil, der durch Metakognitionen gesteuert wird und psychisches Leiden chronifiziert. Es besteht aus drei Hauptkomponenten:
- Anhaltendes Grübeln (Rumination) und Sorgen:
Endloses Durchspielen von Problemen. - Aufmerksamkeitsfixierung:
Fixierung auf Bedrohungen (z. B. das Scannen des Körpers nach Symptomen). - Unvorteilhafte Bewältigungsstrategien:
Vermeidung oder Gedankenunterdrückung.
Dysfunktionale metakognitive Überzeugungen
Störungen entstehen laut diesem Modell durch zwei Arten von Überzeugungen über das eigene Denken:
Positive Metakognitionen (Nutzen des Denkens)
Die Person glaubt, dass das zwanghafte Denken einen Vorteil bringt.
- Beispiel: „Wenn ich mir genug Sorgen mache, bin ich auf das Schlimmste vorbereitet.“
- Folge: Die Person hält aktiv am Grübeln fest.
Negative Metakognitionen (Gefahr des Denkens)
Die Person glaubt, dass die eigenen Gedanken unkontrollierbar oder schädlich sind.
- Beispiel: „Meine Sorgen machen mich wahnsinnig“ oder „Diese Gedanken könnten einen Herzinfarkt auslösen.“
- Folge: Angst vor den eigenen Gedanken (Angst vor der Angst), was zu massivem Stress führt.
Zusammenhang mit spezifischen Störungsbildern
| Störung | Metakognitiver Fokus |
| Generalisierte Angststörung | „Sorgen über das Sorgen“ (Metasorgen). Die Angst wird als unkontrollierbar erlebt. |
| Depression | Positive Überzeugung, dass Grübeln hilft, die Ursachen des Leids zu verstehen (was jedoch tiefer in die Depression führt). |
| Zwangsstörung | Überbewertung von Gedanken (Thought-Action Fusion): „Wenn ich das denke, werde ich es auch tun.“ |
| Soziale Phobie | Extreme Selbstaufmerksamkeit und metakognitive Überwachung des eigenen Verhaltens in sozialen Situationen. |
Zusammenfassung: Metakognition ist die kognitive Kontrollinstanz, die es uns ermöglicht, unsere eigenen Denkprozesse wie ein Außenstehender zu beobachten und gezielt zu regulieren.
Bei psychischen Störungen führen dysfunktionale Metakognitionen dazu, dass normale Gedanken durch zwanghaftes Grübeln oder Angst vor Kontrollverlust zu einer dauerhaften Belastung werden.