Metakognitive Therapie (MCT)

Die Metakognitive Therapie (MCT) ist ein von dem britischen Psychologen Adrian Wells entwickeltes Psychotherapieverfahren, das den Fokus vom Gedankeninhalt auf den Denkprozess verschiebt. Ziel ist die Auflösung des Kognitiven Aufmerksamkeitssyndroms (CAS) – bestehend aus Grübeln, Sorgen und fixierter Aufmerksamkeit. Durch die Veränderung von Metakognitionen (Überzeugungen über die Nützlichkeit und Kontrollierbarkeit von Denken) erlangen Patienten die Kontrolle über ihre Aufmerksamkeit zurück.

In der MCT ist der Inhalt eines Gedankens (z. B. „Ich bin wertlos“) völlig irrelevant. Was zählt, ist die Reaktion darauf (z. B. stundenlanges Grübeln darüber).

Das Kernkonzept: Das Kognitive Aufmerksamkeitssyndrom (CAS)

Wells postuliert, dass alle psychischen Störungen durch ein gemeinsames Muster aufrechterhalten werden: das CAS. Es besteht aus drei Komponenten:

  1. Perseveratives Denken:
    Unaufhörliches Grübeln (über die Vergangenheit) oder Sorgen (über die Zukunft).
  2. Aufmerksamkeitsfixierung:
    Man scannt die Umwelt oder den eigenen Körper ständig nach Bedrohungen oder Fehlern.
  3. Dysfunktionale Bewältigungsstrategien:
    Versuche, Gedanken zu unterdrücken oder Situationen zu vermeiden, was den Fokus nur noch mehr auf das Problem lenkt.

Metakognitive Überzeugungen (Metakognitionen)

Warum hören Menschen nicht einfach auf zu grübeln? Weil sie (meist unbewusste) Überzeugungen über ihr Denken haben:

  • Positive Metakognitionen:
    Der Glaube, dass Grübeln hilfreich ist.

    • „Wenn ich mir genug Sorgen mache, bin ich auf alles vorbereitet.“
  • Negative Metakognitionen:
    Der Glaube, dass Gedanken unkontrollierbar oder gefährlich sind.

    • „Mein Grübeln macht mich verrückt“ oder „Ich kann meine Gedanken nicht stoppen.“

Zentrale Techniken der MCT

Die Therapie versucht nicht, den Gedanken zu widerlegen, sondern das Verhältnis zum Gedanken zu ändern:

  • Detached Mindfulness (Losgelöste Achtsamkeit):
    Man lernt, einen negativen Gedanken wie einen „vorbeiziehenden Zug“ oder eine „Wolke am Himmel“ wahrzunehmen. Man registriert ihn, aber man „steigt nicht ein“ (man beginnt nicht zu grübeln).
  • Attention Training Technique (ATT):
    Ein spezielles Hörtraining, um die Flexibilität der Aufmerksamkeit zu schulen. Man lernt, die Aufmerksamkeit bewusst von internen Sorgen auf externe Geräusche zu lenken.
  • Aufschub von Grübelzeiten:
    Man legt eine feste Zeit fest (z. B. 17:00 Uhr), zu der man grübeln darf. Taucht morgens ein Sorgen-Gedanke auf, wird er auf diese Zeit „verschoben“. Oft ist er bis dahin bedeutungslos geworden.

Unterschied zur Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT)

In der KVT stellen die Realitätsprüfung und die Kognitive Umstrukturierung wesentliche therapeutische Methoden. In der KVT fragt man:

  • „Ist der Gedanke wahr?“

In der Metakognitive Therapie (MCT) interessiert dagegen die Nützlichkeit des Prozesses:

  • „Ist es hilfreich, diesen Gedanken jetzt stundenlang weiterzuverfolgen?“

Ziel ist die Auflösung des Kognitiven Aufmerksamkeitssyndroms (CAS) – bestehend aus Grübeln, Sorgen und fixierter Aufmerksamkeit. Durch die Veränderung von Metakognitionen (Überzeugungen über die Nützlichkeit und Kontrollierbarkeit von Denken) erlangen Patienten die Kontrolle über ihre Aufmerksamkeit zurück.