Metakognitives Training (MKT)
Das Metakognitive Training (MKT) ist ein therapeutischer Ansatz, der ursprünglich von dem Hamburger Neuropsychologen Steffen Moritz und Kollegen für Menschen mit Psychosen (insbesondere Schizophrenie) entwickelt wurde. Inzwischen gibt es jedoch auch Varianten für Depressionen, Zwangsstörungen und Borderline.
Im Kern geht es beim MKT nicht darum, was wir denken (Inhalt), sondern wie wir denken (Prozess).
Das Konzept: Denken über das Denken
Metakognition bedeutet, die eigenen kognitiven Prozesse aus einer Beobachterperspektive zu betrachten. Das MKT setzt bei sogenannten Denkverzerrungen (Cognitive Biases) an, die bei psychischen Störungen oft besonders stark ausgeprägt sind und Symptome aufrechterhalten können.
Die zentralen Trainingsmodule
Das MKT adressiert spezifische kognitive Fallen durch spielerische Übungen und Psychoedukation:
- Voreiliges Schlussfolgern (Jumping to Conclusions):
Die Tendenz, auf Basis sehr weniger Informationen eine feste Entscheidung zu treffen. - Unerschütterlichkeit von Überzeugungen (Belief Inflexibility):
Die Schwierigkeit, eine Meinung zu ändern, selbst wenn Gegenbeweise vorliegen. - Attributionsstile:
Die Art und Weise, wie wir Ursachen für Ereignisse zuschreiben (z. B. Erfolg nur dem Zufall, Misserfolg nur der eigenen Unfähigkeit zuschreiben). - Defizite in der Theory of Mind:
Schwierigkeiten, die Absichten und Gedanken anderer Menschen korrekt einzuschätzen (was oft zu Misstrauen führt).
Ziele und Arbeitsweise
Das Training findet meist in Gruppen statt und nutzt einen humorvollen, normalisierenden Ansatz:
- Entpathologisierung:
Den Teilnehmern wird vermittelt, dass jeder Mensch Denkfehler macht. Bei psychischen Erkrankungen sind diese lediglich „überschießend“. - Korrektive Erfahrungen:
Durch Übungen (z. B. optische Täuschungen oder unvollständige Bilder) erleben die Teilnehmer direkt, wie das Gehirn sie täuschen kann. - Sperrklinken-Effekt:
Man lernt, innezuhalten, bevor man ein Urteil fällt, um alternative Erklärungen zuzulassen.
Abgrenzung zur Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT)
Während die KVT oft versucht, einen spezifischen Wahninhalt oder einen negativen Gedanken direkt zu widerlegen, zielt das MKT darauf ab, die Infrastruktur des Denkens zu verbessern. Wenn die Person lernt, weniger voreilig zu schlussfolgern, wird die Basis für die Entstehung neuer Wahnideen oder negativer Überzeugungen geschwächt.
Zusammenfassend ist das Metakognitives Training (MKT) ein spielerisches Gruppenprogramm zur Entlarvung von Denkfallen (wie voreiliges Schlussfolgern), das die Flexibilität des Denkens stärkt, um die Entstehung von Wahn oder extremen negativen Überzeugungen zu verhindern.