Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist eine körperliche Erkrankung, bei der die Psychologie eine wichtige Rolle spielt, da die Erkrankung über die bekannten motorischen Symptome (wie Zittern oder Steifheit) hinausgeht. Tatsächlich belasten die psychischen Begleiterscheinungen Betroffene und Angehörige oft stärker als die körperlichen Einschränkungen.

Im medizinisch-psychologischen Kontext ist es wichtig, die körperlichen Symptome nicht nur als mechanische Defizite zu sehen, sondern auch deren Auswirkungen auf das Erleben des Patienten zu verstehen.

Körperliche Symptome

Die Symptomatik von Morbus Parkinson wird klassischerweise in motorische und nicht-motorische Symptome unterteilt.

Die motorischen Hauptsymptome

Diese resultieren primär aus dem Dopaminmangel in den Basalganglien und sind für die Diagnose entscheidend:

  • Bradykinese (Bewegungsverlangsamung):
    Dies ist das Leitsymptom. Alle Bewegungen laufen langsamer ab. Dies zeigt sich auch in der Mimikverarmung (Maskengesicht) und einer leisen, monotonen Sprache.
  • Rigor (Muskelsteifigkeit):
    Eine dauerhafte Spannung der Skelettmuskulatur. Patienten beschreiben dies oft als schmerzhafte Verspannung oder Schweregefühl in den Gliedmaßen.
  • Ruhetremor (Zittern):
    Ein rhythmisches Zittern (meist 4–6 Hz), das typischerweise auftritt, wenn die Extremität entspannt ist. Oft beginnt es einseitig an einer Hand („Pillendreher-Zittern“).
  • Posturale Instabilität:
    Eine Störung der Halte- und Stellreflexe. Der Körper kann Schwankungen nicht mehr schnell genug ausgleichen, was zu einer erhöhten Sturzgefahr führt.

Begleitende motorische Phänomene

  • Freezing (Einfrieren):
    Ein plötzliches Blockiertsein, meist beim Loslaufen oder beim Durchschreiten von Engpässen (Türen). Die Füße scheinen am Boden zu kleben.
  • Mikrographie:
    Das Schriftbild wird im Verlauf einer Zeile immer kleiner und unleserlicher.
  • Propulsion/Retropulsion:
    Ein unkontrolliertes Beschleunigen nach vorne oder hinten, um das Gleichgewicht zu halten („den eigenen Schwerpunkt jagen“).

Nicht-motorische körperliche Symptome

Diese werden oft vernachlässigt, beeinträchtigen die Lebensqualität aber massiv, da sie das autonome Nervensystem betreffen:

Sensorik & Schmerz

  • Hyposmie:
    Ein reduzierter Geruchssinn (oft Jahre vor den motorischen Symptomen vorhanden).
  • Missempfindungen:
    Brennen, Kribbeln oder diffuse Schmerzen in den Muskeln und Gelenken.

Vegetative Störungen

  • Blutdruckdysregulation:
    Plötzlicher Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotension), was zu Schwindel führt.
  • Gastrointestinale Probleme:
    Chronische Obstipation (Verstopfung) durch eine verlangsamte Darmmotilität.
  • Urogenitale Störungen:
    Verstärkter Harndrang oder Inkontinenz sowie sexuelle Funktionsstörungen.
  • Thermoregulation:
    Vermehrtes Schwitzen (oft anfallartig) oder Kältegefühl.

Schlaf-Wach-Regulation

  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung:
    Ausagieren von Träumen durch heftige Bewegungen oder Schreien (da die normale Muskelatonie im Schlaf aufgehoben ist).
  • Tagesmüdigkeit:
    Plötzliche Schlafattacken während des Tages.

Zusammenfassung

Körperliche Symptome bei Parkinson sind hochgradig fluktuierend. Man unterscheidet:

  • On-Phasen:
    Gute Beweglichkeit bei guter Medikamentenwirkung.
  • Off-Phasen:
    Rückkehr der Steifheit und Immobilität, wenn der Wirkstoffspiegel sinkt.

Diese Wechselhaftigkeit ist psychisch extrem belastend, da sie die Vorhersehbarkeit des eigenen Körpers raubt.

Häufige psychische Symptome

Man unterscheidet in der Psychologie primär zwischen reaktiven (Antwort auf die Diagnose) und organischen (durch Gehirnveränderungen bedingten) Faktoren.

Die Veränderung des Dopaminhaushalts beeinflusst direkt die Emotionsregulation und Motivation.

  • Depression (ca. 40–50 %):
    Oft eines der ersten Symptome, teils Jahre vor den motorischen Anzeichen. Sie äußert sich durch gedrückte Stimmung, Hoffnungslosigkeit und vermindertes Selbstwertgefühl.
  • Angststörungen:
    Treffen viele Patienten, oft in Form von Panikattacken oder sozialem Rückzug (Angst, in der Öffentlichkeit durch Zittern oder „Einfrieren“ aufzufallen).
  • Apathie:
    Ein häufig unterschätztes Symptom. Es beschreibt eine ausgeprägte Antriebslosigkeit und Teilnahmslosigkeit, die oft fälschlicherweise als Depression missverstanden wird, aber eine eigenständige Störung der Motivation darstellt.
  • Impulskontrollstörungen:
    Diese können als Nebenwirkung der Medikamente (Dopaminagonisten) auftreten und sich in Spielsucht, Kaufsucht oder Hypersexualität äußern.

Kognitive Veränderungen

Parkinson kann die geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen, was psychisch sehr belastend ist:

  • Bradyphrenie:
    Eine Verlangsamung der Denkprozesse.
  • Exekutive Funktionen:
    Schwierigkeiten bei der Planung, Organisation und Problemlösung im Alltag.
  • Wortfindungsstörungen:
    Das Gefühl, dass Wörter „auf der Zunge liegen“, aber nicht abgerufen werden können.

Die Rolle der Psychotherapie

Psychologische Unterstützung ist heute fester Bestandteil einer modernen Parkinson-Therapie:

Soziale Psychologie & „Maskengesicht“

Ein spezielles Problem ist die Mimikverarmung (Maskengesicht). Da die Gesichtsmuskeln weniger beweglich sind, wirken Patienten oft desinteressiert oder abweisend.

Wichtiger Hinweis: Psychische Symptome sind bei Parkinson kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil der biologischen Erkrankung. Ein offenes Gespräch mit dem Neurologen über Stimmungsschwankungen ist für die medikamentöse Einstellung essenziell.