Motivational Interviewing (MI)
Das Motivational Interviewing (MI) (deutsch: Motivierende Gesprächsführung) (nach Miller und Rollnick) ist eine klientenzentrierte, aber zielorientierte Form der Gesprächsführung. Es wurde ursprünglich genau für die Arbeit mit Menschen mit Suchterkrankungen entwickelt, da herkömmliche Ratschläge („Hören Sie auf zu trinken!“) oft zu Widerstand führen.
Anstatt den Klienten zu überreden, hilft MI ihm, seine eigene Ambivalenz (das Hin- und Hergerissen-Sein zwischen „Ich will aufhören“ und „Es schmeckt mir aber“) zu erkunden und aufzulösen.
Die Haltung des Motivational Interviewing
MI ist keine Technik, die man „anwendet“, sondern eine Haltung. Sie basiert auf vier Säulen:
- Partnerschaftlichkeit:
Therapeut und Klient arbeiten auf Augenhöhe. - Akzeptanz:
Die Autonomie des Klienten wird respektiert (er entscheidet selbst). - Mitgefühl:
Das Wohl des Klienten steht im Mittelpunkt. - Evokation (Hervorrufen):
Die Argumente für eine Veränderung werden nicht vom Therapeuten geliefert, sondern aus dem Klienten „herausgelockt“.
Die vier Prozesse des MI
Ein MI-Gespräch folgt meist dieser logischen Abfolge:
- Beziehungsaufbau (Engaging):
Vertrauen schaffen. - Fokussierung (Focusing):
Gemeinsam klären, um welches Thema es geht (z. B. der Alkoholkonsum). - Hervorrufen (Evoking):
Die Motivation des Klienten stärken. - Planung (Planning):
Konkrete Schritte für die Veränderung festlegen.
Change Talk vs. Sustain Talk
Das ist das Herzstück des MI. In jedem Gespräch über Sucht gibt es zwei Stimmen:
- Sustain Talk (Beharrungssprache):
Gründe, warum alles so bleiben soll („Alkohol hilft mir beim Entspannen“). - Change Talk (Änderungssprache):
Gründe für eine Veränderung („Meine Leberwerte sind schlecht“, „Ich will für meine Kinder da sein“).
Das Ziel des Therapeuten: Er verstärkt den Change Talk durch gezieltes Nachfragen und Reflektieren, während der Sustain Talk zwar akzeptiert, aber nicht weiter vertieft wird.
Die OARS-Techniken
Um den Prozess zu steuern, nutzt man die sogenannten OARS-Methoden:
- Open-ended questions (Offene Fragen):
„Was würde sich in Ihrem Leben verbessern, wenn…?“ - Affirmations (Bestätigung):
„Es ist beeindruckend, dass Sie trotz der Schwierigkeiten heute hier sind.“ - Reflective listening (Reflektierendes Zuhören):
Das Gesagte des Klienten wiederholen, um Tiefe zu erzeugen. - Summarizing (Zusammenfassen):
Das Gespräch bündeln, um den roten Faden zu halten.