Motivationspsychologie
In der Motivationspsychologie geht es um die Analyse von Richtung, Ausdauer und Intensität von Verhalten. Wir schauen uns an, was uns „bewegt“ (lateinisch movere).
Gegenstand
Die Motivationspsychologie sucht nach Erklärungen für das zielgerichtete Handeln. Dabei stehen drei Aspekte im Fokus:
- Aktivierung:
Der Prozess, durch den Verhalten überhaupt in Gang gesetzt wird. - Richtung:
Die Entscheidung für ein bestimmtes Ziel (warum A und nicht B?). - Ausdauer/Intensität:
Wie lange und wie hartnäckig verfolgt jemand dieses Ziel, selbst wenn Hindernisse auftreten?
Zentrale Personen & Pioniere
Einige Köpfe haben das Feld maßgeblich geprägt:
- Kurt Lewin:
Begründer der Feldtheorie; er untersuchte das Zusammenspiel zwischen Person und Umwelt (V = f(P, U)). - Abraham Maslow:
Bekannt für die Bedürfnishierarchie (auch wenn sie wissenschaftlich heute differenzierter betrachtet wird). - David McClelland:
Identifizierte die „Big Three“ der Motive (Leistung, Macht, Anschluss). - Heinz Heckhausen:
Entwickelte das Rubikon-Modell und prägte die deutsche Motivationsforschung entscheidend. - Edward Deci & Richard Ryan:
Entwickler der Selbstbestimmungstheorie.
Wichtige Theorien im Überblick
Inhaltstheorien (Was motiviert uns?)
- Bedürfnispyramide (Maslow):
Ein Stufenmodell von physiologischen Grundbedürfnissen bis zur Selbstverwirklichung. - Zwei-Faktoren-Theorie (Herzberg):
Unterscheidet in der Arbeitswelt zwischen Hygienefaktoren (verhindern Unzufriedenheit, z. B. Gehalt) und Motivatoren (erzeugen echte Zufriedenheit, z. B. Anerkennung).
Prozesstheorien (Wie funktioniert Motivation?)
- Erwartungs-mal-Wert-Modelle:
Motivation entsteht aus der Formel: Motivation = Erwartung (Erfolgswahrscheinlichkeit) x Wert (Attraktivität des Ziels). - Rubikon-Modell:
Beschreibt den Weg vom bloßen Wunsch über den Entschluss (Intention) bis hin zur Bewertung des Ergebnisses.
Anwendungsbereiche
Die Erkenntnisse werden fast überall genutzt, wo Menschen Leistung erbringen oder sich verändern wollen:
- Arbeits- & Organisationspsychologie:
Wie gestaltet man Jobs so, dass Mitarbeiter engagiert bleiben? (Job-Enrichment). - Sportpsychologie:
Wie gehen Athleten mit Druck um und bewahren ihren „Drive“? - Pädagogische Psychologie:
Wie weckt man bei Schülern Lernfreude statt reinem Notendruck? - Klinische Psychologie:
Motivation zur Verhaltensänderung (z. B. bei Suchterkrankungen).
Bedeutung
Ohne Motivation gibt es keinen Fortschritt – weder individuell noch gesellschaftlich.
- Wirtschaftlich:
Motivation ist die Ressource für Innovation und Produktivität. - Individuell:
Eine hohe Passung zwischen persönlichen Motiven und den täglichen Aufgaben (Flow-Erleben) ist ein Hauptfaktor für psychische Gesundheit und Lebenszufriedenheit.