Nucleus accumbens (NAcc)

Das Nucleus accumbens (NAcc) ist ein zentrales Element im menschlichen Gehirn, wenn es um Motivation, Belohnung und Suchtentwicklung geht. In der Psychologie wird es oft als das „Belohnungszentrum“ bezeichnet, da es eine entscheidende Rolle dabei spielt, wie wir Lust empfinden und auf Reize reagieren.

Die anatomische Einordnung

Der Nucleus accumbens ist Teil der Basalganglien und liegt im ventralen Striatum. Er fungiert als Schnittstelle zwischen dem llimbischen System (Emotionen) und den motorischen Zentren (Handlung).

Man unterteilt ihn funktional meist in zwei Bereiche:

  • Core (Kern):
    Eher für die motorische Ausführung und das Erlernen von Gewohnheiten zuständig.
  • Shell (Schale):
    Stark mit dem limbischen System vernetzt; hier werden die emotionalen Aspekte von Belohnungen verarbeitet.

Die Rolle von Dopamin

Dir wichtigste Botenstoff im Nucleus accumbens ist der Neurotransmitter Dopamin. Er wird über den mesolimbischen Pfad vom ventralen tegmentalen Areal (VTA) dorthin geleitet.

  • Belohnungsvorhersagefehler:
    Der NAcc reagiert nicht nur auf die Belohnung selbst, sondern vor allem auf die Erwartung oder auf unerwartete Belohnungen. Wenn ein Reiz besser ist als erwartet, feuert das Dopamin-System massiv.
  • Antrieb:
    Es geht weniger um das reine „Mögen“ (Liking) einer Sache, sondern primär um das „Wollen“ (Wanting) – also die Motivation, eine Anstrengung zu unternehmen, um ein Ziel zu erreichen.

Psychologische Relevanz

Sucht und Abhängigkeit

Bei Suchterkrankungen (sowohl substanzgebunden wie Drogen als auch Verhaltenssüchte wie Glücksspiel) wird der Nucleus accumbens „gekapert“. Drogen fluten das Areal mit künstlich hohen Mengen an Dopamin, was das Gehirn dazu veranlasst, dieses Verhalten überlebenswichtig einzustufen.

Depression und Anhedonie

Eine Unterfunktion oder mangelnde Dopamin-Sensitivität im NAcc wird oft mit Anhedonie in Verbindung gebracht – der Unfähigkeit, Freude oder Lust zu empfinden. Betroffene haben oft keinen Antrieb mehr, da das Belohnungssystem nicht auf positive Reize anspricht.

Impulsivität

Ein sehr aktiver Nucleus accumbens bei gleichzeitig schwacher Kontrolle durch den präfrontalen Cortex (das „Vernunftzentrum“) führt oft zu hoher Impulsivität. Man gibt dem sofortigen Verlangen nach, ohne langfristige Konsequenzen zu bedenken.

Zusammenfassung der Funktionen

Funktion Beschreibung
Belohnung Erzeugt das Gefühl von Befriedigung bei Erfolg, Essen oder Sex.
Motivation Wandelt Motivation in körperliche Handlung um (Schnittstelle).
Lernen Hilft dabei, Reize mit positiven Ausgängen zu assoziieren (Klassische Konditionierung).
Aversion Auch bei der Verarbeitung von negativen Reizen (Vermeidungsverhalten) beteiligt.