Panik

In der Psychologie wird Panik als die intensivste Form der Angststörung betrachtet. Während „normale“ Angst eine adaptive Reaktion auf eine reale Gefahr ist, gleicht eine Panikattacke einem Fehlalarm des körpereigenen Überlebenssystems.

Der Mechanismus: Der Teufelskreis der Angst

Der entscheidende Mechanismus hinter Panik ist die Fehlinterpretation körperlicher Symptome. Es entsteht eine Rückkopplungsschleife, die sich in Sekundenschnelle hochschraubt.

  1. Auslöser:
    Ein harmloser körperlicher Reiz (z. B. leichtes Herzklopfen durch Treppensteigen oder Kaffee).
  2. Wahrnehmung:
    Die Aufmerksamkeit richtet sich schlagartig nach innen (Tunnelblick auf den Körper).
  3. Fehlbewertung:
    Das Gehirn bewertet den Reiz als lebensbedrohlich („Ich bekomme einen Herzinfarkt“, „Ich werde ohnmächtig“, „Ich verliere den Verstand“).
  4. Angst:
    Diese Bewertung löst echte Todesangst aus.
  5. Physiologische Reaktion:
    Der Körper schüttet massiv Adrenalin aus. Das Herz schlägt noch schneller, die Atmung wird flach (Hyperventilation).
  6. Verstärkung:
    Die neuen Symptome bestätigen die Katastrophengedanken.

Die Reaktion: Kampf, Flucht oder Erstarrung

Auf der Verhaltensebene reagieren Menschen bei Panik meist mit drei Mustern:

  • Flucht:
    Sofortiges Verlassen der Situation (z. B. aus dem Supermarkt rennen).
  • Sicherheitsverhalten:
    Mitführen von Medikamenten, Wasserflaschen oder das Handy griffbereit halten, um den Notruf zu wählen.
  • Vermeidung:
    Orte, an denen eine Attacke auftreten könnte, werden künftig komplett gemieden (Entwicklung einer Agoraphobie).

Phänomenologie: Was passiert im Kopf?

Neben den körperlichen Symptomen treten oft zwei spezifische kognitive Phänomene auf:

  • Depersonalisation:
    Das Gefühl, nicht mehr man selbst zu sein oder „neben sich zu stehen“.
  • Derealisation:
    Die Umgebung wirkt plötzlich fremd, künstlich oder wie „in Watte gepackt“.

Dies sind Schutzmechanismen des Gehirns, um sich von der überwältigenden Angst zu distanzieren, werden von Betroffenen aber oft als Zeichen für „Wahnsinn“ missverstanden.

Therapeutische Einordnung

Panik ist klinisch sehr gut behandelbar. Die wichtigste Methode ist die Exposition mit Reaktionsverhinderung:

  • Mechanismus:
    Der Patient provoziert die Symptome absichtlich (z. B. durch schnelles Atmen oder Drehen auf einem Bürostuhl).
  • Ziel:
    Die Erfahrung der Habituation (Gewöhnung). Das Gehirn lernt: „Das Herz klopft, aber ich sterbe nicht.“ Die Fehlinterpretation wird kognitiv korrigiert.
Merkmal Panikattacke Herzinfarkt (Abgrenzung)
Dauer Meist 10–30 Minuten Hält oft länger an, nimmt zu
Auslöser Oft psychischer Stress/Fehlalarm Oft körperliche Belastung
Symptome Steigerung bis zum Peak, dann Abfall Bleibender, oft ausstrahlender Schmerz