Projektion

In der Psychologie ist die Projektion einer der bekanntesten Abwehrmechanismen. Kurz gesagt: Man schreibt eigene Gefühle, Wünsche oder Eigenschaften, die man an sich selbst nicht wahrhaben möchte, einer anderen Person oder der Umwelt zu.

Was passiert bei einer Projektion?

Der Mechanismus dient dazu, das eigene Selbstbild zu schützen und innere Konflikte zu entschärfen. Anstatt sich mit einem „unangenehmen“ Teil der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen, wird dieser nach außen verlagert.

  • Der Auslöser:
    Ein Impuls (z. B. Neid, Aggression, Unsicherheit), der als beschämend oder bedrohlich empfunden wird.
  • Die Verschiebung:
    Man nimmt diesen Impuls plötzlich verstärkt bei anderen wahr.
  • Die Entlastung:
    Man kann das „schlechte“ Verhalten nun beim anderen kritisieren, anstatt es bei sich selbst korrigieren zu müssen.

Typische Beispiele aus dem Alltag

Situation Die verdrängte Wahrheit Die Projektion
Partnerschaft Ich habe selbst Lust, fremdzugehen. „Du bist ständig so flirty, du willst mich sicher betrügen!“
Arbeitsplatz Ich bin heute extrem schlecht gelaunt. „Warum sind heute eigentlich alle so aggressiv zu mir?“
Wettbewerb Ich bin neidisch auf den Erfolg des Kollegen. „Der Kollege ist so ein arroganter Angeber.“

Warum machen wir das?

Nach der psychoanalytischen Theorie (begründet durch Sigmund Freud) ist Projektion ein Schutzschild des Ichs.

  1. Angstminderung:
    Es ist leichter, gegen einen „Feind“ im Außen zu kämpfen als gegen einen inneren Makel.
  2. Moralische Überlegenheit:
    Indem man andere verurteilt, wertet man sich selbst auf (Selbstwertgefühl).
  3. Vermeidung von Selbstreflexion:
    Man muss sich nicht mit schmerzhaften Wahrheiten über den eigenen Charakter befassen.

Die Kehrseite

Obwohl Projektion kurzfristig entlastet, schadet sie langfristig den Beziehungen, da man den anderen nicht mehr sieht, wie er ist, sondern ihn als Leinwand für die eigenen Probleme benutzt. In der Therapie ist das Ziel oft, diese Projektionen „zurückzunehmen“ und als Teil des Selbst zu integrieren.

Wichtiger Hinweis: Projektion ist nicht immer pathologisch. Wir alle projizieren in gewissem Maße, um unsere Welt zu strukturieren. Problematisch wird es erst, wenn es die Realitätswahrnehmung massiv verzerrt.