Reaktion (R)
In der Psychologie ist die Reaktion (R) (engl. Response) die Antwort eines Organismus auf einen Reiz (Stimulus). Während man im Alltag oft nur an das sichtbare Handeln denkt, definiert die Psychologie die Reaktion als ein mehrdimensionales Geschehen.
Besonders in der Verhaltenstherapie ist es entscheidend, eine Reaktion nicht als „einen Klumpen“ zu betrachten, sondern sie in ihre vier Einzelteile zu zerlegen. Dies nennt man die Vier-Ebenen-Betrachtung.
Die 4 Ebenen der Reaktion
Um ein Verhalten wirklich zu verstehen (und später ändern zu können), untersuchen Psychologen diese vier Kanäle gleichzeitig:
| Ebene | Was passiert hier? | Beispiel (bei plötzlicher Angst) |
| Kognitiv | Gedanken, Bewertungen, Bilder im Kopf. | „Ich kriege einen Herzinfarkt!“, „Ich muss hier raus.“ |
| Emotional | Das subjektive Gefühlsleben. | Angst, Panik, Scham, Hilflosigkeit. |
| Physiologisch | Körperliche Prozesse (vegetatives Nervensystem). | Herzrasen, feuchte Hände, flache Atmung, Schwindel. |
| Motorisch | Das sichtbare Verhalten (Handeln). | Weglaufen, Erstarren, Nesteln an der Kleidung. |
Wichtige Konzepte rund um die Reaktion
1. Reaktionslatenz
Das ist die Zeitspanne zwischen dem Eintreten des Reizes (S) und dem Beginn der Reaktion (R). In der Forschung gibt die Latenz oft Aufschluss darüber, wie komplex die Verarbeitung im Gehirn ist.
2. Reaktionsamplitude
Wie stark fällt die Reaktion aus? Ein Knall kann ein leichtes Erschrecken oder eine panische Flucht auslösen – die Amplitude hängt stark vom Organismus (O) ab (z. B. Vorerfahrungen oder Traumata).
3. Reaktionsbildung (Sonderfall)
Ein Begriff aus der Psychoanalyse: Hier zeigt ein Mensch eine Reaktion, die das exakte Gegenteil eines inneren (meist inakzeptablen) Impulses ist. Jemand, der eigentlich große Wut auf eine Person spürt, verhält sich dieser gegenüber übertrieben freundlich.
Warum ist die Unterscheidung so wichtig?
In der Therapie nutzt man diese Ebenen, um Ansatzpunkte für Veränderungen zu finden.
- Wenn die physiologische Reaktion zu stark ist, hilft Entspannungstraining (z. B. Progressive Muskelentspannung).
- Wenn die kognitive Reaktion das Hauptproblem ist (Katastrophisieren), hilft eine kognitive Umstrukturierung.
Dem therapeutischen Veränderungsprozess in der Verhaltenstherapie geht dabei in der Regel eine Verhaltensanalyse voraus.