Reframing
In der Psychologie ist Reframing (Umdeutung) eine kraftvolle Technik, bei der eine Situation, ein Gedanke oder ein Gefühl in einen neuen „Rahmen“ gesetzt wird. Das Ziel ist nicht, die Fakten zu leugnen, sondern ihre Bedeutung so zu verändern, dass sie konstruktiver oder weniger belastend wirkt.
Stellen Sie es sich wie einen Bilderrahmen vor: Das Bild (die Situation) bleibt gleich, aber je nach Rahmen wirkt das Kunstwerk düster und schwer oder klassisch und wertvoll.
Die Kernkonzepte des Reframing
Reframing basiert auf der Annahme, dass unsere emotionale Reaktion nicht durch das Ereignis selbst entsteht, sondern durch die Interpretation dessen.
1. Kontext-Reframing
Hierbei wird ein Verhalten, das in einem Kontext störend ist, in einen anderen Kontext übertragen, in dem es nützlich wäre.
- Beispiel:
Ein Vater beschwert sich, dass seine Tochter „stur“ ist. - Neuer Rahmen:
„Sie hat eine starke Persönlichkeit und wird sich später nicht so leicht von Gruppenzwang beeinflussen lassen.“
2. Bedeutungs-Reframing
Hier wird der Fokus auf einen anderen Aspekt derselben Situation gelenkt, um eine neue Bewertung zu ermöglichen.
- Beispiel:
„Ich habe das Projekt in den Sand gesetzt, ich bin ein Versager.“ - Neuer Rahmen:
„Ich habe jetzt wertvolle Daten darüber, was nicht funktioniert, was mich beim nächsten Mal deutlich schneller ans Ziel bringen wird.“
Warum funktioniert das?
Unser Gehirn nutzt Heuristiken (mentale Abkürzungen), um die Welt zu verstehen. Einmal eingenommene Perspektiven werden oft starr. Reframing nutzt die kognitive Flexibilität, um neuronale Bahnen zu lockern:
- Selbstwirksamkeit:
Man wechselt von der Opferrolle („Das passiert mir“) in die Gestalterrolle („Was mache ich daraus?“). - Stressreduktion:
Durch die Umbewertung sinkt der Cortisolspiegel, da die Situation nicht mehr als reine Bedrohung wahrgenommen wird. - Empathie:
Im Umgang mit anderen hilft Reframing, deren „schwieriges“ Verhalten als Bewältigungsmechanismus zu verstehen.
Praktische Anwendung: Die 3-Fragen-Methode
Wenn Sie in einem negativen Gedanken feststecken, probieren Sie diese Fragen aus:
- Was könnte daran noch wahr sein?
(Suche nach alternativen Fakten) - Welchen Nutzen könnte diese Eigenschaft in einer anderen Situation haben?
(Kontext-Check) - Was lerne ich gerade, das ich vorher nicht wusste?
(Wachstums-Fokus)
Wichtig: Reframing ist kein „Schönreden“ oder toxische Positivität. Es geht nicht darum, Leid zu ignorieren, sondern darum, die Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.