Resonanz
In der Psychologie und Soziologie beschreibt Resonanz eine Form der Beziehung zwischen einem Subjekt (Mensch) und einem Objekt (Welt, andere Menschen, Aufgaben), bei der beide Seiten „mitschwingen“ und sich gegenseitig transformieren.
Der Begriff wurde besonders durch den Soziologen Hartmut Rosa geprägt, spielt aber auch in der klinischen Psychologie (z. B. in der Bindungstheorie oder der Körperpsychotherapie) eine zentrale Rolle als Gegenentwurf zur Entfremdung.
Die drei Merkmale einer Resonanzbeziehung
Nach Hartmut Rosa entsteht Resonanz nur, wenn vier Kriterien erfüllt sind:
- Affizierung (Berührtwerden):
Man lässt sich von etwas im Außen wirklich erreichen oder bewegen. - E-motion (Antwort):
Man reagiert aktiv darauf. Es entsteht ein Gefühl der Selbstwirksamkeit („Ich kann antworten“). - Transformation:
Die Begegnung verändert einen. Man geht nicht genau so aus der Situation heraus, wie man hineingegangen ist. - Unverfügbarkeit:
Resonanz lässt sich nicht erzwingen oder technisch herstellen. Sie „ereignet“ sich.
Psychologische Dimensionen
In der täglichen psychologischen Praxis findet man Resonanz auf verschiedenen Ebenen:
- Interpersonelle Resonanz:
In der Therapie ist die empathische Resonanz des Therapeuten entscheidend. Der Klient spürt, dass sein innerer Zustand beim Gegenüber „ankommt“ und dort etwas auslöst. Dies befriedigt das Grundbedürfnis nach Bindung. - Körperliche Resonanz:
Unsere Spiegelneuronen ermöglichen es uns, die Gefühle anderer körperlich nachzuempfinden (z. B. ein „Kloß im Hals“, wenn jemand anderes traurig ist). - Vibrationsresonanz (Physiologie):
Techniken wie die Resonanzatmung nutzen die Taktung von Atem und Herzschlag (Herzratenvariabilität), um das Nervensystem zu beruhigen und eine innere Kohärenz herzustellen.
Resonanz vs. Entfremdung
Resonanz ist das Heilmittel gegen Entfremdung (Alienation). In einem Zustand der Entfremdung bleibt die Welt „stumm“ oder „kalt“.
- Beispiel:
Man erledigt eine Aufgabe nur, um sie abzuhaken (Entfremdung), vs. man geht völlig in der Aufgabe auf und verliert das Zeitgefühl (Resonanz/Flow). - Burnout:
Wird psychologisch oft als der totale Verlust der Resonanzfähigkeit beschrieben – man ist von sich selbst und seiner Umwelt abgeschnitten.
Resonanz als Ressource der Psychohygiene
Resonanzmomente wirken als starke Puffer gegen die allostatische Last. Sie geben uns das Gefühl, in der Welt „verankert“ zu sein.
- Naturresonanz:
Das Erleben von Weite oder Schönheit in der Natur. - Vertikale Resonanz:
Das Gefühl der Verbundenheit mit etwas Größerem (Religion, Kunst, Philosophie).
Zusammenfassung
Resonanz ist ein lebendiger Beziehungsmodus, bei dem Mensch und Welt sich gegenseitig berühren und verändern, wodurch das Gefühl von Sinnhaftigkeit und tiefer Verbundenheit entsteht.