Resonanzatmung

In der Psychologie und im Biofeedback ist die Resonanzatmung eine Technik, bei der man die Atemfrequenz so anpasst, dass sie mit dem natürlichen Rhythmus des Herz-Kreislauf-Systems schwingt.

Das Ziel ist es, in einen Zustand der kardiovaskulären Resonanz zu kommen. In diesem Zustand erreichen die Herzratenvariabilität (HRV) und die Blutdruckschwankungen ihre maximale Amplitude und arbeiten perfekt synchron.

Der Wirkmechanismus: Die 0,1-Hz-Frequenz

Bei den meisten Erwachsenen liegt die Resonanzfrequenz bei etwa 6 Atemzügen pro Minute (das entspricht einer Frequenz von 1/10s = 0,1 Hz).

  1. Einatmen (Sympathikus):
    Der Herzschlag beschleunigt sich leicht.
  2. Ausatmen (Parasympathikus/Vagus):
    Der Herzschlag verlangsamt sich deutlich.

Wenn man genau im Resonanzrhythmus atmet, verstärken sich diese natürlichen Schwankungen gegenseitig. Man kann sich das wie eine Schaukel vorstellen: Wenn man im richtigen Moment schubst (atmet), wird die Schwingung (HRV) immer größer, ohne dass mehr Kraft (Anstrengung) nötig ist.

Psychologische Effekte

Die Resonanzatmung wirkt wie ein „Reset-Knopf“ für das autonome Nervensystem:

Anwendung in der klinischen Psychologie

In der Therapie wird Resonanzatmung häufig als Teil von HRVBiofeedback eingesetzt. Patienten sehen dabei auf einem Monitor in Echtzeit, wie ihre Herzkurve zu einer glatten Sinuswelle wird, sobald sie den Rhythmus halten.

Einsatzgebiete:

Anleitung zur Resonanzatmung

Um in Resonanz zu kommen, ist die Einhaltung des Taktes wichtiger als die Tiefe der Atemzüge.

  1. Die Frequenz:
    Atme 5 Sekunden lang ein und 5 Sekunden lang aus (insgesamt 10 Sekunden pro Atemzyklus = 6 Atemzüge/Minute).
  2. Die Technik:
    Atme sanft durch die Nase ein und (gerne mit leicht gespitzten Lippen) durch den Mund aus. Versuche, die Übergänge fließend zu gestalten.
  3. Die Haltung:
    Sitze aufrecht, damit das Zwerchfell frei schwingen kann.

Anwendung im Alltag

Man muss nicht warten, bis man gestresst ist. Schon 5 Minuten Resonanzatmung pro Tag können das Grundniveau der HRV dauerhaft anheben und die Resilienz stärken.

Individuelle Resonanzfrequenz finden

Obwohl der Durchschnitt bei 6 Atemzügen pro Minute liegt, variiert die exakte Frequenz je nach Körpergröße und Lungenvolumen meist zwischen 4,5 und 7 Atemzügen. Größere Menschen benötigen oft einen etwas langsameren Takt.

So findest man sein Optimum: Experimentiere in 0,5-Schritten (z. B. 5,5 oder 6,5 Atemzüge/Min). Deine ideale Frequenz hast du gefunden, wenn:

  • Subjektiv: Das Atmen sich vollkommen anstrengungsfrei anfühlt, fast wie ein „Getragenwerden“ durch den Rhythmus.
  • Objektiv: Im Biofeedback die Amplitude deiner Herzkurve am höchsten ausschlägt und eine glatte, hohe Sinuswelle bildet.

Timing-Tabelle für die Resonanzsuche

Atemzüge pro Minute Dauer eines Zyklus Einatmen / Ausatmen Frequenz in Hertz
7,0 8,6 Sekunden 4,3 s ≈ 0,117$ Hz
6,5 9,2 Sekunden 4,6 s ≈ 0,108$ Hz
6,0 (Standard) 10,0 Sekunden 5,0 s 0,100 Hz
5,5 10,9 Sekunden 5,45 s ≈ 0,092$ Hz
5,0 12,0 Sekunden 6,0 s ≈ 0,083$ Hz
4,5 13,3 Sekunden 6,65 s ≈ 0,075$ Hz