Risikofaktoren

In der klinischen Psychologie und Entwicklungspsychologie beschreiben Risikofaktoren (risk factors) Merkmale, Umstände oder Einflüsse, die die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer psychischen Störung oder einer maladaptiven Entwicklung erhöhen. Sie sind das Gegenstück zu den Schutzfaktoren (Resilienz).

Man unterteilt Risikofaktoren klassischerweise in drei verschiedene Dimensionen, um die Entstehung von Krankheiten (Ätiologie) im Rahmen des Bio-psycho-sozialen Modells zu verstehen.

1. Biologische Risikofaktoren (Anlage)

Diese Faktoren bilden oft die „Vulnerabilität“ (Verletzlichkeit), auf der spätere Belastungen aufbauen.

2. Psychologische Risikofaktoren (Person)

Hierbei handelt es sich um interne Merkmale der Informationsverarbeitung und Persönlichkeit.

3. Soziale und Umweltbezogene Risikofaktoren (Umfeld)

Diese Faktoren wirken oft als Auslöser oder chronische Belaster.

Das Diathese-Stress-Modell

Ein zentrales Konzept zum Verständnis dieser Faktoren ist das Diathese-Stress-Modell. Es besagt, dass eine psychische Störung dann ausbricht, wenn eine bestehende Vulnerabilität (biologisch/psychologisch) auf akuten oder chronischen Stress (soziale Umwelt) trifft und die individuellen Belastungsgrenzen überschritten werden.

Kumulative Wirkung

In der Forschung ist bekannt, dass selten ein einzelner Risikofaktor eine Störung auslöst. Vielmehr ist es die Kumulation (Anhäufung): Je mehr Risikofaktoren gleichzeitig vorliegen, desto exponentieller steigt die Wahrscheinlichkeit für eine klinische Diagnose. Man spricht hierbei auch von der „Risiko-Kaskade“.

Zusammenfassung

Risikofaktoren sind biologische, psychologische und soziale Variablen, deren Vorhandensein die Anfälligkeit für psychische Erkrankungen erhöht. Das Zusammenwirken einer angeborenen oder erworbenen Vulnerabilität mit belastenden Umweltereignissen entscheidet dabei maßgeblich über die psychische Gesundheit eines Individuums.