Schizoaffektive Störung
Die schizoaffektive Störung (engl.: schizoaffective disorder) ist eine eigenständige psychiatrische Diagnose, die eine Brücke zwischen zwei großen Krankheitsgruppen schlägt: der Schizophrenie und den affektiven Störungen (wie Depression oder Bipolarität).
Charakteristisch ist, dass Symptome beider Bereiche zeitgleich oder in sehr engem zeitlichem Abstand während derselben Krankheitsphase auftreten.
Das Symptomspektrum
Um die Diagnose zu stellen, müssen Merkmale aus beiden folgenden Kategorien vorhanden sein:
Schizophrene Symptome (Psychose)
- Wahn:
Feststehende, objektiv falsche Überzeugungen (z. B. Verfolgungswahn oder Größenwahn). - Halluzinationen:
Meist akustisch (Stimmenhören), aber auch optisch oder körperlich. - Ich-Störungen:
Das Gefühl, dass eigene Gedanken von außen gesteuert oder eingegeben werden. - Denkstörungen:
Zerfahrenheit oder Logiksprünge im Gespräch.
Affektive Symptome (Stimmung)
Je nach Typus der Störung treten unterschiedliche Stimmungsextreme auf:
- Depressive Episode:
Tiefe Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Suizidgedanken. - Manische Episode:
Übersteigerte Energie, vermindertes Schlafbedürfnis, Größenideen und riskantes Verhalten.
Die verschiedenen Typen
Die Störung wird meist in drei Unterformen klassifiziert:
- Bipolarer Typ:
Es treten sowohl manische als auch (häufig) depressive Episoden zusammen mit psychotischen Symptomen auf. - Depressiver Typ:
Es treten ausschließlich depressive Episoden in Kombination mit psychotischen Symptomen auf. - Gemischter Typ:
Manische und depressive Symptome mischen sich innerhalb einer Phase (sehr instabiler Zustand).
Abgrenzung und Diagnose
Ein entscheidendes Kriterium für die Abgrenzung zur rein bipolaren Störung oder Depression mit psychotischen Merkmalen ist die Zeitdauer:
Bei einer schizoaffektiven Störung müssen die psychotischen Symptome (Wahn/Halluzinationen) für mindestens zwei Wochen auch dann bestehen, wenn keine ausgeprägte Stimmungsstörung (Manie/Depression) vorliegt.
Ursachen und Prognose
Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, man geht jedoch von einem Vulnerabilitäts-Stress-Modell aus. Genetische Faktoren spielen eine Rolle, ebenso wie neurobiologische Veränderungen im Botenstoffhaushalt (Dopamin, Serotonin).
- Verlauf:
Die Störung verläuft meist in Schüben (Episoden). Zwischen den Phasen können Betroffene oft wieder völlig symptomfrei sein. - Prognose:
Statistisch gesehen ist die Prognose meist günstiger als bei einer reinen Schizophrenie, aber oft komplexer als bei einer rein affektiven Störung.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie basiert fast immer auf zwei Säulen:
- Medikamentöse Therapie:
Kombination aus Antipsychotika (gegen die Psychose) und Stimmungsstabilisierern (Phasenvorbeuger wie Lithium) oder Antidepressiva. - Psychotherapie:
Insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie hilft dabei, Frühwarnsignale zu erkennen, Stress zu bewältigen und den Umgang mit der Erkrankung zu lernen.