Serotonin
In der Psychologie spielt Serotonin eine zentrale Rolle als einer der wichtigsten Neurotransmitter. Er wird oft als „Glückshormon“ bezeichnet, doch seine Aufgaben sind weitaus komplexer als nur für gute Laune zu sorgen.
Die Hauptfunktionen im Gehirn
Serotonin fungiert als Botenstoff, der Informationen zwischen Nervenzellen überträgt. In der Psychologie betrachten wir vor allem diese Wirkungsbereiche:
- Stimmungsregulation:
Es wirkt ausgleichend, dämpft Angst– und Aggressionsgefühle und fördert die innere Ruhe sowie Zufriedenheit. - Schlaf-Wach-Rhythmus:
Serotonin ist die Vorstufe von Melatonin, dem Schlafhormon. Ein gesunder Serotoninspiegel ist daher essenziell für erholsamen Schlaf. - Appetit und Sättigung:
Es signalisiert dem Gehirn Sättigung. Ein Mangel wird oft mit Heißhungerattacken (besonders auf Kohlenhydrate) in Verbindung gebracht. - Kognitive Leistung:
Es beeinflusst Lernprozesse und das Gedächtnis.
Biochemie des Serotonins
Wissenschaftlich als 5-Hydroxytryptophan (C10H12N2O) bekannt, ist Serotonin ein Gewebshormon und Neurotransmitter, der in fast allen Lebensformen vorkommt.
Synthese und Stoffwechsel
Serotonin wird nicht einfach über die Nahrung aufgenommen (da es die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann), sondern muss im Körper synthetisiert werden.
- Ausgangsstoff:
Die essenzielle Aminosäure L-Tryptophan. - Syntheseweg:
- L-Tryptophan wird durch das Enzym Tryptophanhydroxylase zu 5-HTP (5-Hydroxytryptophan) umgewandelt.
- Dieses wird dann zu 5-HT (Serotonin) decarboxyliert.
- Abbau:
Erfolgt primär über das Enzym MAO-A (Monoaminooxidase A) zu 5-HIAA (5-Hydroxyindolylessigsäure), welche über den Urin ausgeschieden wird.
Verteilung im Körper
Entgegen der verbreiteten Meinung befindet sich der Großteil des Serotonins nicht im Kopf:
- 95% im Magen-Darm-Trakt:
Dort reguliert es die Darmbewegungen (Peristaltik). - In den Blutplättchen (Thrombozyten):
Es spielt eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung und Vasokonstriktion (Gefäßverengung). - Nur ca. 1-2% im Zentralnervensystem (ZNS):
Produziert in den Raphe-Kernen des Hirnstamms.
Der Rezeptor-Dschungel
Serotonin wirkt nicht „einfach so“, sondern bindet an spezifische Rezeptoren (5-HT1 bis 5-HT7). Das erklärt die vielfältigen Wirkungen:
- 5-HT1A:
Primär für die angstlösende und antidepressive Wirkung zuständig. - 5-HT2A:
Zielort für viele Halluzinogene (wie LSD) und wichtig für die Wahrnehmung. - 5-HT3:
Steuert den Brechreiz (wichtig für die Pharmakologie von Antiemetika).
Einordnung: Serotonin-Syndrom
Ein gefährlicher Überschuss an Serotonin, oft durch Wechselwirkungen von Medikamenten (z. B. Kombination von SSRI und MAO-Hemmern), führt zum Serotonin-Syndrom. Symptome sind:
- Hohes Fieber und Zittern.
- Extreme Unruhe.
- Muskelsteifheit.
Serotonin und psychische Störungen
Ein Ungleichgewicht im Serotoninhaushalt wird mit verschiedenen klinischen Krankheitsbildern assoziiert:
| Störung | Zusammenhang mit Serotonin |
| Depressionen | Die „Serotonin-Hypothese“ besagt, dass ein Mangel oder eine gestörte Übertragung zu Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit führt. |
| Angststörungen | Ein niedriger Spiegel kann die Reizschwelle für Angst senken und Panikattacken begünstigen. |
| Zwangsstörungen | Serotonin hilft bei der Filterung von Gedanken; ein Mangel kann dazu führen, dass sich belastende Gedanken „festfressen“. |
Die Rolle in der Therapie
Im Rahmen einer psychiatrischen Behandlung wird der Serotoninspiegel häufig medikamentös beeinflusst:
- SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer):
Diese Antidepressiva sorgen dafür, dass Serotonin länger im synaptischen Spalt (dem Raum zwischen den Nervenzellen) bleibt und somit stärker wirken kann. - Lichttherapie & Bewegung:
Auch nicht-medikamentöse Ansätze steigern die Serotoninproduktion natürlich.
Hinweis: Serotonin wirkt nicht isoliert. Psychische Gesundheit ist immer ein Zusammenspiel aus verschiedenen Botenstoffen (wie Dopamin und Noradrenalin) sowie psychosozialen Faktoren.