Sorgen
Sorgen (engl. Worries) sind in der Psychologie im Gegensatz zum Grübeln (Rumination), das eher in die Vergangenheit blickt, ein zukunftsorientierter Prozess.
Sorgen sind im Kern Ketten von Gedanken und Bildern, die sich mit einer ungewissen Zukunft befassen und meist mit der Frage „Was wäre, wenn…?“ beginnen.
Die Natur der Sorge
Psychologisch betrachtet ist Sorgenmachen ein Versuch der mentalen Problemlösung für Ereignisse, die noch nicht eingetreten sind.
- Antizipation von Bedrohung:
Das Gehirn scannt die Zukunft nach potenziellen Gefahren ab. - Verbale Natur:
Sorgen finden meist in Worten statt („Kopfkino“ ohne Bilder), was dazu führt, dass die emotionale Verarbeitung oft blockiert wird. - Angst-Komponente:
Während Grübeln oft mit Depressivität einhergeht, ist Sorge der Kernprozess der Angst.
Die „Sorgen-Falle“: Warum wir uns sorgen
Viele Menschen halten Sorgen für nützlich. In der Psychologie nennen wir das positive Metakognitionen über Sorgen:
- „Wenn ich mich sorge, bin ich vorbereitet.“
- „Sich Sorgen zu machen zeigt, dass ich ein verantwortungsbewusster Mensch bin.“
- „Wenn ich das Schlimmste durchdenke, kann es mich nicht überraschen.“
Das Problem: Sorgen erzeugen eine Illusion von Kontrolle. Da die Katastrophe meist nicht eintritt, lernt das Gehirn fälschlicherweise: „Es ist nichts passiert, WEIL ich mir Sorgen gemacht habe.“ Das verstärkt das Verhalten (negative Verstärkung).
Konstruktive vs. Destruktive Sorgen
Nicht jede Sorge ist schlecht. Die Psychologie unterscheidet zwischen:
| Typ | Merkmal | Ziel |
| Produktive Sorge | Bezieht sich auf veränderbare Dinge. | Führt zu einem konkreten Plan. |
| Hypothetische Sorge | „Was wäre, wenn der Meteorit einschlägt?“ | Führt zu Hilflosigkeit und Anspannung. |
Strategien zum Umgang mit Sorgen
Wenn Sorgen chronisch werden (wie z.B. bei der Generalisierten Angststörung), helfen spezifische Interventionen:
Die Sorgen-Stunde (Worry Time)
Ähnlich wie beim Grübeln: Reserviere 10 Minuten am Tag strikt für Sorgen. Wenn tagsüber eine Sorge auftaucht, notiere sie kurz („Thema Finanzen“) und vertage sie auf die Sorgen-Stunde. Das gibt dir die Kontrolle über deinen Fokus zurück.
Worst-Case / Best-Case / Most-Likely-Case
Um aus dem Tunnelblick auszubrechen, hilft diese kognitive Technik:
- Was ist das absolut Schlimmste, das passieren könnte?
- Was wäre das absolut Beste (das Wunder)?
- Was ist das Wahrscheinlichste, das passieren wird? (Realitätscheck)
Unsicherheitstoleranz trainieren
Sorgen sind oft ein verzweifelter Versuch, 100%ige Sicherheit zu erlangen. Da es diese im Leben nicht gibt, ist das Ziel der Therapie oft nicht, die Sorgen zu „lösen“, sondern zu lernen, die Ungewissheit auszuhalten, ohne sie sofort wegdenken zu wollen.