Volition
In der Psychologie beschreibt die Volition (auch Willenskraft oder Umsetzungsfertigkeit genannt) den Prozess der bewussten Selbststeuerung. Während die Motivation klärt, was wir wollen, kümmert sich die Volition darum, wie wir dieses Ziel gegen Widerstände tatsächlich erreichen.
Man kann es sich wie einen inneren „Umsetzungs-Motor“ vorstellen, der anspringt, wenn die erste Euphorie verflogen ist.
Kernaspekte der Volition
Die Volitionspsychologie untersucht, wie wir Handlungen planen, initiieren und aufrechterhalten. Hier sind die wichtigsten Bausteine:
- Handlungskontrolle:
Die Fähigkeit, Ablenkungen (wie das Smartphone oder Müdigkeit) auszublenden, um am Ball zu bleiben. - Emotionsregulation:
Sich selbst in eine positive Stimmung versetzen oder Frustration aushalten, um nicht vorzeitig abzubrechen. - Aufmerksamkeitssteuerung:
Den Fokus gezielt auf Informationen richten, die für das Ziel relevant sind. - Initiierung:
Den „inneren Schweinehund“ überwinden und tatsächlich mit der Aufgabe beginnen.
Das Rubikon-Modell (nach Heckhausen & Gollwitzer)
Eines der bekanntesten Modelle zur Unterscheidung von Motivation und Volition ist das Rubikon-Modell der Handlungsphasen. Es unterteilt den Prozess in vier Phasen:
| Phase | Bereich | Kernfrage |
| Abwägen | Motivation | Welches Ziel ist attraktiv und realisierbar? |
| Überschreiten des Rubikons | Entschluss | Die Absicht (Intention) wird gefasst. |
| Planen | Volition | Wann, wo und wie fange ich an? |
| Handeln | Volition | Anstrengung investieren und Hindernisse umgehen. |
| Bewerten | Motivation | Habe ich das Ziel erreicht? War es das wert? |
Der „Rubikon“ ist der Point of No Return. Sobald man sich entschieden hat, wechselt der Geisteszustand vom abwägenden (offenen) Modus in den planenden (zielgerichteten) Modus.
Warum scheitern wir trotz hoher Motivation?
Oft liegt es nicht am mangelnden Wunsch (Motivation), sondern an einer Volitionsdefizit. Typische Barrieren sind:
- Prokrastination:
Das Aufschieben von Aufgaben trotz der Absicht, sie zu erledigen. - Lageorientierung:
Man grübelt zu sehr über Misserfolge oder die Schwere der Aufgabe nach (Gegenteil: Handlungsorientierung). - Mangelnde Implementierungsintentionen:
Man hat kein konkretes „Wenn-Dann“-Szenario (z.B. „Wenn ich in die Küche gehe, trinke ich sofort ein Glas Wasser“).