Wortfindungsstörung (WFS)
Wortfindungsstörungen (WFS) werden in der Psychologie und Neuropsychologie strikt zwischen vorübergehenden Phänomenen im Alltag und pathologischen (krankhaften) Symptomen unterschieden.
Dabei ist es wichtig, die Ursache zu identifizieren: Liegt es an einem temporären „Blocker“ (wie Stress) oder an einer strukturellen Veränderung im Gehirn?
Das „Tip-of-the-Tongue“-Phänomen (Zungenspitzen-Phänomen)
Jeder kennt es: Das Wort ist quasi greifbar, aber der Zugriff auf die Lautgestalt (das Phonem) fehlt.
- Psychologische Ursache:
Meist eine unvollständige Aktivierung im mentalen Lexikon. Man hat Zugriff auf die Bedeutung (Semantik), aber nicht auf den Klang. - Faktoren:
Müdigkeit, Ablenkung oder das Alter (die Verarbeitungsgeschwindigkeit nimmt ab).
Psychologische & Psychosomatische Auslöser
Oft stecken hinter Wortfindungsstörungen keine neurologischen Schäden, sondern psychische Belastungen:
- Stress & Angst:
Unter Stress schüttet der Körper Cortisol aus. Dies kann die Kommunikation zwischen dem Hippocampus (Gedächtnis) und dem präfrontalen Kortex (Planung/Sprache) stören. Man hat ein „Brett vor dem Kopf“. - Depressionen & Burnout:
Hier treten WFS oft im Rahmen einer allgemeinen kognitiven Verlangsamung auf. Die Konzentration ist so stark reduziert, dass die Suche nach Begriffen mühsam wird. - Psychotrauma:
Dissoziative Zustände können dazu führen, dass der Zugriff auf sprachliche Konzepte zeitweise unterbrochen ist.
Abgrenzung zur Neuropsychologie (Aphasie)
Wenn Wortfindungsstörungen massiv auftreten, spricht man von einer amnestischen Aphasie. Hierbei ist die Suche nach Substantiven oder Eigennamen gestört, während Grammatik und Satzbau oft intakt bleiben.
| Merkmal | Psychologisch (Stress/Erschöpfung) | Neurologisch (Aphasie/Demenz) |
| Auftreten | Situativ, oft bei Druck oder Müdigkeit. | Konsistent, auch in entspannten Phasen. |
| Begleitsymptome | Unruhe, Herzklopfen, Leeregefühl. | Satzbaufehler, falsche Wörter (Paraphasien). |
| Besserung | Durch Entspannung und Pausen. | Erfordert gezieltes Logopädie-Training. |
Strategien im Umgang
In der Psychologie nutzt man verschiedene Techniken, um mit diesen Blockaden umzugehen:
- Umschreiben:
Wenn das Wort „Schlüssel“ fehlt, sagen Sie: „Das Ding, mit dem man die Tür aufmacht.“ Das nimmt den Druck und hält den Redefluss aufrecht. - Kategorisierung:
Überlegen Sie: Zu welcher Gruppe gehört das Wort? (z. B. Werkzeug, Obst). Dies aktiviert benachbarte Netzwerke im Gehirn. - Stressmanagement:
Da WFS oft ein Indikator für Überlastung sind, ist die Reduktion des Stresslevels die effektivste „Heilung“.
Hinweis: Wenn Wortfindungsstörungen plötzlich, sehr häufig oder in Kombination mit Desorientierung auftreten, sollte immer eine neurologische Abklärung erfolgen, um organische Ursachen (wie Entzündungen oder Durchblutungsstörungen) auszuschließen.